• Bundesbank-Chef: Verstaatlichungen nicht ausgeschlossen Steinbrück hält weitere Eingriffe für nötig Schwarzer Freitag an den Börsen weltweit

Zeitung Heute : Bundesbank-Chef: Verstaatlichungen nicht ausgeschlossen Steinbrück hält weitere Eingriffe für nötig Schwarzer Freitag an den Börsen weltweit

Deutscher Index zeitweise fast zwölf Prozent im Minus

Sven Lemkemeyer
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Berlin - Die weltweite Krise in der Finanzbranche hat am Freitag zu weiteren heftigen Turbulenzen an den Aktienmärkten geführt und setzt die Politik immer stärker unter Druck. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesbank-Chef Axel Weber machten vor einem Treffen der G-7-Finanzminister in Washington deutlich, dass sie auch in Deutschland mehr Hilfen und Engagement des Staates für nötig halten. Weber schloss dabei Verstaatlichung von Banken nach dem Vorbild Großbritanniens nicht aus. Es sei ein Punkt erreicht, an dem es zum Handeln keine Alternative gebe.

Nachdem der Dow-Jones-Index bereits in den vergangenen Tagen massiv abgestürzt war, rutschte das US-Börsenbarometer direkt nach Handelsbeginn wieder deutlich ins Minus. Der deutsche Leitindex Dax, der zwischenzeitlich um fast zwölf Prozentpunkte eingebrochen war, notierte kurz vor Handelsschluss mit minus 6,8 Prozent bei 4553 Punkten. Auch in Paris, London und der Schweiz setzte sich der Ausverkauf fort. An den Börsen in Wien, Bangkok, Jakarta und São Paulo wurde der Handel vorübergehend ausgesetzt. In Tokio wurden die größten Verluste seit 20 Jahren verzeichnet. Viele Händler sprachen von Panikverkäufen. Auch an den Rohstoffmärkten purzelten die Preise.

Nachdem die globalen Zinssenkungen der Notenbanken verpufft sind, setzt die Finanzbranche ihre Hoffnungen nun auf die Finanzminister der G-7-Staaten, von denen eine koordinierte Aktion erwartet wird, um die Krise zu überwinden. Steinbrück sagte in Washington, an den Märkten habe die Spiralbewegung nach unten deutlich an Fahrt gewonnen. Einzelfalllösungen würden auch in Deutschland nicht mehr weiterhelfen. Es müsse für den Finanzsektor insgesamt eine Lösung mit stabilisierendem Charakter gefunden werden. Die derzeitige Krise könne für den Finanzsektor in Deutschland erhebliche Folgen haben: „Das Risiko einer systemischen Krise ist gegeben“, sagte Steinbrück, der keine Einschätzung zur Dauer abgeben wollte. Der Minister schlug die Einrichtung einer internationalen Kontrollinstanz für die Finanzmärkte mit „Macht zum Eingreifen“ vor.

Die US-Regierung erwägt als weitere Maßnahme offenbar eine „Garantie für Milliarden an Bankschulden“ sowie eine „zeitweise Versicherung aller Bankeinlagen“, berichtete die Zeitung „Wall Street Journal“. Falls die Vorschläge verwirklicht würden, handelte es sich um die bisher weitreichendsten staatlichen Eingriffe, um einen weiteren Abzug von Geldern von Banken durch nervöse Anleger einzudämmen, so die Zeitung.

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