Bundespräsident : Im Unruhestand

Am Donnerstag wird Christian Wulff mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. An welchen Projekten arbeiten andere Alt-Bundespräsidenten seit dem Ende ihrer Amtszeit?

Noch immer mit Engagement im Einsatz: Die ehemaligen Bundespräsidenten Hörst Köhler, Richard von Weizsäcker, Walter Scheel und Roman Herzog (v.l.n.r.)
Noch immer mit Engagement im Einsatz: Die ehemaligen Bundespräsidenten Hörst Köhler, Richard von Weizsäcker, Walter Scheel und...Foto: dpa

Aus dem Amt geschiedene Bundespräsidenten haben sich stets auch in der Zeit danach politisch-gesellschaftlich engagiert. Sie haben versucht, ihr Renommee, ihren Namen, ihre Berühmtheit zu nutzen, um sich für ein Thema starkzumachen, ein Anliegen zu fördern, Projekte zu initiieren. Das gilt auch für die vier noch lebenden Präsidenten a. D.

Unmittelbar nach seiner Amtszeit als vierter Bundespräsident 1974 bis 1979 engagierte sich Walter Scheel (FDP) zum Beispiel als Präsident des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung, dessen Ehrenpräsident er bis heute ist. In diesem Zeitraum war er zudem Vorsitzender der Bilderberg-Konferenz, auf der Fragen der Weltwirtschaft und der internationalen Beziehungen diskutiert werden. Und zehn Jahre lang saß er der Deutschen Europa Union vor, deren Ehrenpräsident er ebenfalls bis heute ist. Seit 1980 fungiert er als Ehrenpräsident des Deutschen Künstlerbundes, Ehrenvorsitzender des internationalen Kinderhilfswerks „Plan International“ und Ehrenpräsident der Deutsch-Britischen Gesellschaft.

Nach-Nachfolger Richard von Weizsäcker (CDU), Präsident von 1984 bis 1994, ist auch 91-jährig noch sehr aktiv. „Bis heute erreicht Herrn von Weizsäcker ein vergleichbarer Posteingang wie zu seiner Amtszeit“, teilte sein Berliner Büro mit. Einen thematischen Schwerpunkt seiner Arbeit stelle die Außen- und Sicherheitspolitik dar. Dabei setze sich von Weizsäcker vor allem für die deutsch-polnische Verständigung ein, etwa seit 1994 als Vorsitzender des Bergedorfer Gesprächskreises der Körber-Stiftung. In kleiner Runde diskutieren internationale Politiker hier außenpolitische Fragen. Weizsäcker ist zudem Jurymitglied des Marion-Dönhoff-Preises für internationale Verständigung und Versöhnung. So intensiv, wie er sich um die internationalen Beziehungen kümmere, unterstütze er kulturelle Projekte und Initiativen. Die Liste der Schirmherrschaften soll mehr als zehn A4-Seiten umfassen. Seine Erfahrung als Staatsoberhaupt konnte Weizsäcker zudem in beratenden Funktionen weitergeben, zum Beispiel 1995 als Co-Präsident in der Kommission zur Neuorganisation der Vereinten Nationen oder 2000 als Leiter der Kommission zur Bundeswehrreform. Reisen ins europäische und außereuropäische Ausland zu Konferenzen und Gesprächsterminen mit Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten gehören nach wie vor zu seinem Programm.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt leitete Roman Herzog (CDU), Präsident von 1994 bis 1999, den ersten europäischen Konvent, der zwischen Dezember 1999 und Oktober 2000 die Charta der Grundrechte der Europäischen Union erarbeitete. Eine Diskussion löste er Jahre später mit dem Begriff der „Rentnerdemokratie“ aus: „Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.“ Im Auftrag der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel erarbeitet Herzog in einer nach ihm benannten Kommission 2003 ein Dokument mit Vorschlägen zur Reform der deutschen Sozialversicherungen, das die Partei schließlich auf dem Leipziger Parteitag zur Grundlage ihres Programms machte. Der Bericht behandelte die Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in Deutschland und machte sich für einen radikalen Systemwechsel stark.

Der vor zwei Jahren zurückgetretene Horst Köhler (CDU), Präsident von 2004 bis 2010, ist vor allem seinem Engagement für Afrika treu geblieben. Nach Auskunft seines Berliner Büros hat er, der unter anderem Mitglied im Kuratorium der Stiftung Weltethos und der Stiftung Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik ist, einen nach wie vor vollen Terminkalender. Der sehe zum Beispiel vor: einen Vortrag über „Vertrauen in die Führungseliten der Gesellschaft“, ein Grußwort bei der Eröffnungsveranstaltung der Konferenz „Engagiert und integriert: Afrikanische Diaspora und kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland“ und die Teilnahme an der Konferenz „Partnership with Africa – Challenges for an African Social Market Economy“.

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