Bundesregierung : Total transparent. Auf Facebook

Die Bundesregierung hat jetzt auch einen eigenen Facebook-Auftritt. Unser Kolumnist Helmut Schümann freut sich, dass die Regierung nun auch schon im Neuland angekommen und dadurch absolut durchsichtig ist.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Die Bundesregierung hat jetzt Neuland betreten, wie es Kanzlerin Angela Merkel unlängst ankündigte, als sie von der Existenz von diesem Internet erfuhr. Die Bundesregierung hat seit Freitag ein eigenes Facebook-Profil. So wie 28 Millionen Deutsche, die via Facebook zu erreichen sind. Eine riskante Idee der Bundesregierung, sich durchleuchten zu lassen. Verglichen mit der Durchleuchtungspraxis von Facebook war die Stasi wohl mehr ein Briefmarkensammlerverein. Andererseits ist es für uns Bürger doch auch interessant, wenn Frau Merkel mitteilt, dass sie jetzt mit Joachim ins Restaurant Orchidee Sushi essen geht. Und es werden tolle, aufklärerische Filme gezeigt. Am Montag zum Start-up im Neuland zum Beispiel die Kanzlerin, wie sie in Rom vor der Privataudienz beim Papst aus dem Auto steigt. Sogar die Anreise kann man miterleben, zumindest den Anflug auf Rom. Sogar die Landung. Aus dem Cockpit heraus gefilmt. Ich zum Beispiel war noch nie in einem Cockpit und habe mich immer gefragt, was die Piloten eigentlich sehen aus ihren kleinen Fensterchen. Jetzt weiß ich es. Danke, liebe Bundesregierung.

Gestern war auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe zu sehen, sehr kämpferisch: „Die Impflücken sind in Deutschland noch immer zu groß. Wir brauchen jetzt einen Kraftakt, um die Impfbereitschaft zu steigern.“ Über das Wort „Impflücken“ kann man aber auch stolpern. Trotzdem, es geht jetzt total transparent zu. Wahrscheinlich hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar deswegen sein Facebook-Konto aufgelöst, als Facebook Ende Januar anfing mit neuen Regeln, Werbeeinblendungen noch gezielter auf die Nutzer zu ballern. Sicher ploppt jetzt bei der Bundesregierung irgendein Modegeschäft auf, das schicke Kostüme für die Kanzlerin anbietet. So eine Bundesregierung mit all ihren Aktivitäten kann sehr gezielt beworben werden. Man sollte allerdings aufpassen, was man bei Facebook in Richtung Bundesregierung postet. Man darf zwar auch schimpfen, aber nicht bodenlos. Seit Freitag haben es schon einige Einträge vor die Strafverfolgungsbehörden geschafft. Das Neuland hat natürlich auch Grenzen. Man muss aber nun nicht gleich die Zensur der Meinungsfreiheit wittern, die Grenzen hat das Strafgesetzbuch gezogen. Insgesamt also ist diese Facebook-Aktivität der Bundesregierung eine tolle Sache. Man kann sagen, dass sie im modernen Leben angekommen ist und auf der Höhe der Zeit ist. Zumindest schon mal auf Facebook.

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