Bundestagswahl : Ex-Tennisstar kandidiert für die Linke

Früher verdiente sie als Sportprofi Millionen. Dann hat Claudia Kohde-Kilsch ihr Vermögen verloren und war am Ende. Bis sie Oskar Lafontaine zur Pressesprecherin der Linken im Saarland machte. Jetzt will sie sogar nach Berlin.

Wettkampf. Tennisspielerin Claudia Kohde-Kilsch war Vierte der Weltrangliste.
Wettkampf. Tennisspielerin Claudia Kohde-Kilsch war Vierte der Weltrangliste.Foto: Barbara Nolte

Als Claudia Kohde-Kilsch und die Linkspartei zueinander fanden, ging es der Linkspartei gut und Claudia Kohde-Kilsch schlecht. Das war im Winter vergangenen Jahres. Die Linkspartei war drittstärkste Fraktion im Saarländischen Landtag mit nur zwei Abgeordneten weniger als die SPD, und Claudia Kohde- Kilsch war insolvent. Als Tennisspielerin hatte sie mehr als zwei Millionen Euro Preisgelder gewonnen. Jetzt führte sie ein Leben unterhalb der Pfändungsgrenze. Ihr blieben 1200 Euro im Monat.

Damals fragte Oskar Lafontaine bei ihr an, ob sie ihn im saarländischen Landtagswahlkampf unterstützen wolle. Lafontaine sei „ein alter Freund“ ihrer Familie, sagt Claudia Kohde-Kilsch. Die Familie wählte dennoch CDU. Sie selbst sei allerdings schon immer „sozial eingestellt“ gewesen. An Lafontaines Bitte knüpfte sie die Bedingung, dass sie sich vorher zusammensetzen müssten. „Oskar, ich will wissen: Was genau sind eure Positionen?“

Ihren ersten Einsatz hatte sie im Wahlkampffinale. Auf der Abschlusskundgebung sagte sie die Reden von Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine an. Keine große Sache. Doch der Platz vor dem Saarbrücker Theater war voller Zuschauer. „Ich dachte, ich muss sterben“, sagt sie und lacht.

Claudia Kohde-Kilsch beendete in den 90ern ihre Karriere.
Claudia Kohde-Kilsch beendete in den 90ern ihre Karriere.Foto: picture alliance / Augenklick/Ra

Dabei ist sie als ehemalige Spitzensportlerin Publikum gewohnt. Sie wurde Anfang der 80er Profi. Tennis war auf dem Zenit seiner Popularität, und Claudia Kohde- Kilsch schnell eine der besten Spielerinnen der Welt. Doch schon damals wirkte sie menschenscheu. Eine auffallend große Frau mit oft gesenktem Kopf. Den „schiefen Turm von Saarbrücken“ nannte die „Times“ sie einmal. Die übliche Häme. Doch Kohde-Kilsch traf die Kritik schwer. Am Ende des Jahrzehntes verschwand sie im Schatten der nur fünf Jahre jüngeren Steffi Graf. 1988 gewannen sie gemeinsam bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille. Sie trugen ähnliche Frisuren, Stufenschnitte, reisten, von ihren Vätern gemanagt, um den Globus. Freundinnen wurden sie nie.

Heute hat Graf ein Anwesen in Las Vegas und Kohde-Kilsch ein Büro bei der Linksfraktion im Saarländischen Landtag. Nach der Wahl hat Lafontaine ihr die Stelle der Pressesprecherin angeboten. Sie solle eine Nacht drüber schlafen, habe er gesagt. Sie brauche keine Nacht drüber zu schlafen, habe sie geantwortet.

Am Gründonnerstag sind die Flure im Landtag verwaist. Claudia Kohde-Kilsch ist eine der Letzten, die noch da sind. Sie trägt die Haare hellblond. Anfangs, sagt sie, sei sie über den Umgangston in den Plenardebatten „entsetzt“ gewesen. „,Oskar’, habe ich gesagt, ,wie geht es denn hier zu!’ Da hat er gesagt: ,Das siehst du zu emotional, das musst du an dir abprallen lassen.’“ Da habe sie ihm gesagt: „Okay, dann versuche ich das mal zu lernen.“

Sie spricht mit leiser Stimme. Für die Linksfraktion schreibt sie die Pressemitteilungen. Sie hatte sich im Fernstudium zur Fachjournalistin weitergebildet. Der Landtag mit seinen 57 Abgeordneten sei für eine Politikeinsteigerin wie sie „schön übersichtlich“, sagt sie.

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