Zeitung Heute : Bundeswehrkrankenhaus nach Moabit!

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Betrifft: „Sanierungsplan für Charité-Hochhaus geplatzt“ vom 30. April 2002

Nun plant die Gesundheitsverwaltung der Bundeswehr, ca. 100 Millionen Euro in die Charité zu investieren, um dort eine integrierte Klinik zu betreiben. Der Ausstattungsanspruch an die Bundeswehrbetten liegt in der Dimension von Zweibettzimmern mit sanitärem Hotelstandard in allen klinischen Bereichen. Dieses Geld soll durch einen umstrittenen Neubau im Berliner Zentrum auf dem Gelände der Charité erfolgen, damit dann die Ärzte der Bundeswehr dort ihre Arbeit versehen können. Ob das mit 100 Millionen Euro gelingt, mag dahingestellt sein.

So freut sich die Charite, dass sie in Zeiten ausbleibenden Geldflusses zu Einnahmen kommt und Berlin, dass jemand der Stadt hilft, die „Finanzen zu ordnen“. Neue Einnahmequelle für die arme Stadt, die in bestimmten Bereichen keinen realen Sparwillen zeigt, denn: Ein Angebot, ein seit acht Monaten weitgehend leer stehendes – für 200 Millionen DM in den letzten Jahren renoviertes – Krankenhaus im Berliner Bezirk Mitte (Tiergarten/Moabit) zu nutzen, hat der Berliner Senat systematisch unterlaufen. Dieses nur fünf Fahrminuten von dem bisherigen Bundeswehrstandort entfernte Krankenhaus ist ein Krankenhaus der gehobenen Versorgungsstruktur, bestens ausgestattet, verfügte über zuletzt 500-700 Betten und ist in einer Nacht- und Nebelaktion vom Berliner Senat unter Missachtung von Wirtschaftlichkeits-Überlegungen vor einem Jahr aufgegeben worden.

Für die Berliner Bundeswehrmedizin wäre der Standort Moabit unter allen von ihr angeführten Überlegungen inklusive eines geplanten wissenschaftlichen Zentrums der Bundeswehr ein äußerst preisgünstiges Alternativvorhaben. Für den Berliner Senat wäre die Verlegung des Bundeswehrkrankenhauses nach Moabit ein strukturpolitisch wirksames Instrument und eine Gelegenheit, die in das Krankenhaus investierten „zig“-Millionen nicht verschrotten zu müssen, wie es derzeit aussieht und für die Berliner Krankenkassen wäre es eine Gelegenheit, die Berliner Patienten aus dem Zentrum nicht in die völlig überteuerte Charité-Versorgung leiten zu müssen.

Wolfgang Mitlehner, Berlin-Moabit

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