Zeitung Heute : Bunt gemischtes Schlemmerparadies

Alteingesessene Geschäfte und Lokale gibt es vor allem im nördlichen Teil der Wilmersdorfer Straße. Seit 1932 lädt hier der Fisch- und Feinkostladen Rogacki zum Kaufen, Staunen und Genießen ein

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Von Silke Zorn Noch vor wenigen Tagen tummelten sie sich in allen sieben Weltmeere. Jetzt warten sie, liebevoll dekoriert auf einem Bett auf zerstoßenem Eis, auf ihre hungrigen Käufer – Lachse und Makrelen, Kabeljau und Heilbutt, Hummer und Seeaal. Über 70 verschiedene Sorten Fisch kann man im traditionsreichen Feinkostgeschäft Rogacki in der Wilmersdorfer Straße kaufen und bestaunen. „Was, Du kennst Rogacki nicht?“, muss sich der Zugezogene entgeistert fragen lassen. Na, det jet aber nich!

Rogacki ist eine Institution, ein Berliner Urgestein. „1928 eröffneten meine Großeltern ihren ersten Räucherwarenhandel“, erzählt Geschäftsführer Dietmar Rogacki. Vier Jahre später zog man in die Wilmersdorfer Straße. Rogacki wurde zu Charlottenburgs erster – und noch heute einziger – Aal und Fischräucherei. Das Angebot hat sich im Laufe der Jahre allerdings gewaltig vergrößert: Zum Fisch kamen erst Wurst- und Fleischwaren, dann Käse, Brot, hausgemachte Salate und andere Delikatessen hinzu.

Das Publikum ist ebenso bunt gemischt wie das Warenangebot. In Nadelstreifenanzug oder Jogginghose kauft man hier ein, schlürft ein Glas Sekt in der Gourmet-Abteilung oder verspeist einen Brathering am Schlemmerstand. Allerdings sprechen selbst viele Stammkunden den Namen des Geschäfts hartnäckig falsch aus – mit scharfem „ck“, wo es doch eigentlich Roga-zk-i heißt. Dietmar Rogacki hat sich an diese Eigenheit inzwischen gewöhnt. „Nur wenn wir ab und zu Radiowerbung schalten, gibt ein kleines Problem“, schmunzelt er. Dann behelfe man sich meist damit, dass am Ende des Spots eine erstaunte Stimme fragt: „Roka-zk-i? Du meenst wohl Roga-ck-i!“

Dass Dietmar Rogacki in den Familienbetrieb einsteigen würde, war anfangs gar nicht so selbstverständlich. Zwar drückte er sich schon als kleiner Knirps mit den Freunden zwischen Fischtheke und Räucherofen herum. „Eigentlich wäre ich aber gerne Fotograf geworden“, erzählt der sympathische Einzelhändler. Schließlich trat er doch in die Fußstapfen von Eltern und Großeltern. Die Fotografie wurde zum Hobby – für das ihm allerdings nicht viel Zeit bleibt: Von halb sechs Uhr früh bis abends um sieben ist er im Einsatz, sechs Tage die Woche. Denn was Ende der zwanziger Jahre mit den Großeltern Lucia und Paul und ein paar helfenden Händen begann, hat sich mittlerweile zu einem Betrieb mit 110 Mitarbeitern gemausert.

Es wurde um- und ausgebaut, erweitert und modernisiert. Allein die rußgeschwärzten Altonaer Öfen im hinteren Teil des Ladens werden noch wie einst zu Gründerzeiten zum Räuchern der Fische verwendet. Unten glimmt das Buchenholz, darüber hängen fein säuberlich aufgereit Forelle, Aal und Makrele im würzigen Rauch. „Den Geschmack“, erklärt der Chef nicht ohne Stolz, „kriegen Sie mit keinem Elektro-Ofen hin.“ Und Recht hat er!

Feinkostgeschäft Rogacki, Wilmersdorfer Straße 145/146, 10585 Berlin, www.rogacki.de, Öffnungszeiten: montags–mittwochs 9–18 Uhr, donnerstags 9–19 Uhr, freitags 8–19 Uhr und sonnabends 8–16 Uhr

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