Zeitung Heute : Bunte Wände auf Knopfdruck

Mit Sprühgeräten können Farben und Lacke einfach und sauber aufgespritzt werden

Farbe marsch! Kleinere Geräte gibt es für unter 100 Euro, doch nicht alle eignen sich für Dispersionswandfarben. Profi-Sprüher kann man auch leihen. Fotos: www.farbqualitaet.de/dpa/tmn
Farbe marsch! Kleinere Geräte gibt es für unter 100 Euro, doch nicht alle eignen sich für Dispersionswandfarben. Profi-Sprüher...Foto: dpa-tmn

Wer streicht schon gerne? Das kleckert, das stinkt, das schmerzt mit der Zeit in den Armen – und hinterher muss man Pinsel, Rolle, Abstreichgitter und vielleicht auch den Boden putzen. Manch Heimwerker liebäugelt deshalb mit dem Kauf einer Farbsprühpistole. Sie wird nicht nur in Werbesendungen im Fernsehen als „Allzweckwaffe“ für gutes und müheloses Lackieren und Anstreichen angepriesen. Auch Experten sehen das so – allerdings mit Einschränkungen.

„Mit vielen Farbsprühgeräten können Lacke und Lasuren einfach und sauber aufgespritzt werden“, sagt Ludger Küper, Direktor des Paint Quality Institute in Schwalbach im Taunus. Mit Spritzen komme der Heimwerker gut in Ecken und Kanten. Neben Gartenzäunen und Fenstern ließen sich Lamellenwände und Türen besprühen. Auch das Verspritzen von Dispersionsfarbe zum Beschichten von Innenwänden sei möglich und relativ einfach. Und: Das Sprühen ist weit weniger anstrengend als die Arbeit mit der Rolle. „Bei Geräten mit langen Sprühlanzen ist selbst das Beschichten von großen Deckenflächen kein Problem“, sagt Küper. Auch mühsames Vorstreichen von Ecken und Kanten entfalle, da alles in einem Rutsch beschichtet werde.

Allerdings müsse die Umgebung gut abgedeckt und abgeklebt werden – denn auch hier muss man putzen, wenn man danebenmalt. Immerhin würden die neuesten Modelle – Sprühgeräte mit Niederdruck-Luft-Sprühsystem (HVLP: High Volume, Low Pressure) – keinen feinen Farbnebel mehr produzieren, der umliegende Böden und Wände verschmutzt, sagt Küper.

„Das Sprühen von Lacken und Lasuren macht für Heimwerker besonders im Außenbereich Sinn, etwa bei Zäunen und Pergolen und mit kleinen Farbspritzen, die unter 100 Euro kosten“, erklärt Friedhelm Müller, Trainer bei der DIY-Academy in Köln. Seiner Ansicht nach sind diese kleinen Geräte aber nicht immer auch zum Sprühen von Dispersionswandfarben geeignet. Dafür sollten Profigeräte benutzt werden – die jedoch recht kostspielig seien. Wer nur eine kleine Wandfläche gestalten will, sollte aus Kostengründen weiter rollen. Alternativ kann man die Sprühgeräte auch im Baumarkt leihen.

Außerdem wichtig: Für ein gutes Spritzergebnis muss man auf die richtige Viskosität – also die Zähflüssigkeit des Lackes und der Farbe – achten. „Man kann die Viskosität mithilfe eines genormten Bechers feststellen, der unten eine Auslauföffnung und eine Stoppuhr hat“, rät Friedhelm Müller. „Ist der Becher vollständig gefüllt, wird die Zeit gestoppt, bis der nach unten herausfließende Farbfaden abreißt.“ Diese Zeit kennzeichne die Viskosität der Farbe in DIN-Sekunden. Bei mit Wasser verdünnbaren Lacken sollte die Viskosität zum Beispiel 20 bis 25 DIN-Sekunden betragen, bei lösemittelhaltigen Lacken 15 bis 30. Reißt der Farbfaden erst nach längerer Zeit, muss die Masse verdünnt werden. Das sei bei den meisten Lacken der Fall, da diese eigentlich für das Streichen mit dem Pinsel gemacht seien, erläutert die Stiftung Warentest in Berlin. Spezielle, zum Sprühen geeignete Dispersionsfarbe gebe es zu kaufen.

„Beim Lackieren sollte möglichst immer eine Atemmaske getragen werden“, rät Susanne Woelk von der Aktion Das sichere Haus in Hamburg. Dafür reiche aber nicht nur eine einfache Einwegmaske. Vielmehr brauche man eine Atemschutzmaske mit Kombinationsfilter, die sowohl vor Spraytröpfchen als auch vor Dämpfen schütze. Am besten werde immer draußen oder bei offenem Fenster lackiert. Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut in München rät, zusätzlich auch immer Augen und Körper zu schützen: „Beim Sprühen von Lack ist die Belastung mit Aerosol viel größer als beim Streichen und Rollen.“

Vorsichtig sein sollte man auch mit offenem Feuer. Denn die Dämpfe von Flüssigkeiten wie Lacken, Klebern und Nitroverdünner können Brände oder Explosionen hervorrufen oder beschleunigen. Deshalb sollten Heimwerker beim Arbeiten mit diesen Materialien nicht rauchen, erklärt die Aktion Das sichere Haus. Welche Stoffe das betrifft, erkennt man an einem Flammensymbol auf Flasche oder Eimer. (dpa)

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