Zeitung Heute : Burn-out & Co.

Workaholics lernen in Kliniken, einen Gang runter zu schalten

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Es plagt inzwischen fast jeden: das so genannte Burn outSyndrom. Wenn die Krankheit des Ausgebranntseins gut verdienende Manager oder Leute vom Show-Biz erwischt, werden sie meist in luxuriösen Sanatorien oder Spezialkliniken behandelt. Das Sanatorium Dr. Barner in Braunlage oder auch die Max Grundig-Klinik im Schwarzwald bauen Zivilisationskranke für ihren knallharten Job wieder auf – ein Tätigkeitsfeld für Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Psychologen und Hauspersonal wie Köche, Zimmermädchen und Gärtner.

Auch Selbsterfahrungs-Kurse erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Im bayrischen Chiemgau-Ort Polling lernen gestresste Menschen in so genannten Zeitlupen-Kursen in fünf Tagen nichts anderes zu tun, als sich anzuziehen, zu essen und über ihre Probleme zu sprechen. Die Idee stammt vom Psychologen-Paar Margot und George Pennington. Selbst der Gang zur sechs Meter entfernten Toilette wird nicht schnell erledigt, sondern soll mindestens 20 Minuten dauern. Die Teilnehmer der Anti-Stress-Seminare sollen auch lernen, pro Atemzug nur ein Wort zu sprechen.

Ohne diese Hilfestellungen scheint es nicht zu gehen. Denn Workoholics fällt es in der Regel schwer, fern der blau flimmernden Computerkiste einen Gang runter zu schalten. Sobald sie nur etwas Zeit für sich haben, melden sich Schuldgefühle, Selbstzweifel bis hin zu Angstattacken. „Sie haben Angst, auf sich selbst zurückgeworfen zu werden“, sagt Psychologe George Pennington. Dabei heißt Langsamkeit ja nicht Lethargie. kaw

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