Zeitung Heute : Bush im Test

Die arabische Welt erwartet von den USA stärkeren Druck auf Israel

Andrea Nüsse

Nach dem israelischen Anschlag auf Abdel Asis Rantisi, einer Führungsfigur des politischen Flügels der Hamas, fordert die arabische Welt amerikanisches Eingreifen. Beiruts Tageszeitung „An Nahar" sah am Mittwoch die USA „an die Wand gedrückt". Dies sei ein Test für Washington, hieß es weiter. Der so genannten Road Map wurden in der arabischen Welt nur geringe Chancen eingeräumt, weil ähnliche „Fahrpläne" zur stufenweisen Lösung des Nahostkonfliktes in der Vergangenheit fehlgeschlagen waren. Als einziger Unterschied wurde diesmal anerkannt, dass US-Präsident Bush sich persönlich und energisch in den Konflikt einmischte. Zwei Jahre lang hatte sich Bush nicht wirklich um den Konflikt gekümmert, weil er nach eigenen Angaben nicht den Fehler seines Vorgängers Bill Clinton machen wollte, der trotz großen Engagements schließlich mit leeren Händen dastand. Daher wurde Bushs Entscheidung, von dieser Linie abzuweichen, als Hoffnungsschimmer angesehen. Denn ohne massives Eingreifen der USA, die allein Druck auch auf Israel, den ungleich stärkeren Gegner in der Auseinandersetzung, ausüben können, sah kaum noch jemand eine Möglichkeit zur Lösung des blutigen Streits.

Presseberichte über die Diskussionen beim Gipfel in Akaba schienen dies zu bestätigen. So berichtete die israelische Tageszeitung „Haaretz", Bush habe zu seiner Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice gesagt: „Ich sehe, dass wir ein Problem mit Scharon haben". Auch habe Bush darauf bestanden, dass Israel die zurückgehaltenen Gelder der Palästinenser jetzt auszahle. Scharon habe das abhängig machen wollen vom „guten Benehmen" der Palästinenser, aber Bush habe insistiert: „Es ist deren Geld, geben sie es ihnen."

Die Reaktion Bushs auf den israelischen Mordanschlag auf Rantisi hat die Palästinenser enttäuscht. Bush zeigte sich „besorgt" und Israel unternahm unbeeindruckt weitere Angriffe. Die Palästinenser erwarten dagegen, dass Bush dafür sorgt, dass Israel seine Politik der gezielten Ermordungen und Militäraktionen sofort einstellt. Ansonsten wird Premier Abbas keine Chance eingeräumt, gegen die extremistischen palästinensischen Gruppen vorzugehen oder sie einzubinden.

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