Bushido nicht mehr jugendfrei : Auf der Ekelliste

N. Heymann L. v. Törne

Hitler-Anhänger und Die Ärzte, Pier Paolo Pasolini und die Böhsen Onkelz – in dieser bunt zusammengewürfelten Gesellschaft der Grenzüberschreiter befinden sich seit Mittwoch auch Michael Schindler und Anis Mohamed Youssef Ferchichi. Die aktuelle CD der beiden Rapper, besser bekannt unter ihren Künstlernamen Shindy und Bushido, wurde gestern von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt. Sprich: Sie darf ab Montag nur noch an Volljährige verkauft werden, da ihre Texte als jugendgefährdend eingeschätzt werden. Weil diese, erklären die Bonner Prüfer, „verrohend wirken, zu Gewalttätigkeiten anreizen und Frauen und Homosexuelle diskriminieren“.

Nun findet sich das Album „NWA“ auf einer inzwischen fast 80 Seiten langen, eng bedruckten Liste der Bundesprüfer wider, auf der es von ekelerregenden Gewalt-, Sex- und vor allem Neonazifantasien in Form von CDs, Filmen, Videospielen und Büchern wimmelt. Ob das hilft, unsere Jugend vor den Rüpel-Rappern zu schützen? Frank Henkel zumindest sieht das so: „Damit dürfte es Bushido schwerer fallen, mit dieser Hass-CD Köpfe zu vergiften und Kasse zu machen“, sagt der Berliner Innensenator.

Ein Anruf bei Saturn am Alexanderplatz legt allerdings nahe, dass die Indizierung zu spät kommt. „Die Bushido- CD? Is’ vergriffen – dit ging ganz schnell“, sagt die Frau von der Musikabteilung. Auch in den Charts der Internetdienste, bei denen sich die meisten jüngeren Hörer ihre Musik herunterladen, steht besagtes Album schon seit Tagen unter den Spitzentiteln. Und wer es sich einmal heruntergeladen hat, der darf es wohl auf ewig weiterhören, egal ob er sieben oder 70 ist: Indizierte Lieder, die vor der Entscheidung online gekauft wurden, werden nicht nachträglich zurückgefordert, heißt es bei der Bundesprüfstelle. Das ist auch Politikern wie Henkel bewusst. „Jetzt ist die Justiz am Zug“, sagt er. Und meint damit unter anderem die Strafanzeige, die Klaus Wowereit gestellt hat.

Bushido kommentiert per Twitter die Indizierung: „Yes we can!“ Die Sichtung seiner eintrudelnden Kontoauszüge wird ihm eine Freude sein. Nur Shindys Gefühle dürften derzeit ambivalent sein. „NWA“, der Titel seines Debütalbums, das wohl nur dank Bushidos Schützenhilfe so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie sie der Junge aus Bietigheim-Bissingen alleine nie zustande gebracht hätte, steht für „Nie wieder arbeiten“. Doch genau das wird er nun tun müssen, um eine jugendfreie Version auf den Markt zu bringen. N. Heymann/L. v. Törne

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