Zeitung Heute : BVG bleibt dabei: Preise sollen steigen

Der Tagesspiegel

Die BVG bleibt bei ihrem Plan, die Preise noch in diesem Jahr erhöhen und versuchen, die S-Bahn auf ihre Seite zu bringen. Diese lehnt, wie auch der Regionalverkehr der Bahn, Preiserhöhungen derzeit aber ab. Einen Alleingang wolle die BVG jedoch nicht starten, sagte gestern Finanzvorstand Joachim Niklas, obwohl das Unternehmen die Einnahmen dringend benötige. Rund 10 Millionen Euro sollten 2002 so zusätzlich in die Kasse kommen. Ohne Tarifänderung fehlten der BVG am Ende ihres Sanierungsprogramms mehr als 100 Millionen Euro.

Noch befinde sich die BVG auf erfolgreichem Kurs, sagte Vorstandssprecher Hilmar Schmidt-Kohlhas. Im vergangenen Jahr verringerte die BVG ihren ausgewiesenen Verlust immerhin um rund 31 Millionen Euro auf 97,6 Millionen Euro. 2001 konnte der Verkehrsbetrieb allerdings auch durch höhere Preise seine Einnahmen auf 666,4 Millionen Euro steigern. Dazu beigetragen hätten, so Schmidt-Kohlhas, aber auch neue Tarifangebote wie das Berlin-Ticket und die Freizeitkarte. Der Verlust durch das stark verbilligte Schülerticket sei zudem geringer ausgefallen als befürchtet.

Als neues Angebot in diesem Jahr wolle die BVG ein so genanntes Halb-Jahres-Abo für die Winterzeit anbieten, dessen Preis von der Nachfrage abhängen soll, sagte Niklas. Das vom ADAC mitinitiierte Ticket soll nach derzeitigen Plänen im Internet angeboten werden. Je mehr Kaufwillige sich melden, desto billiger wird es. Allerdings lehnt die S-Bahn das Halb-Jahres-Abo noch ab. Sie befürchtet zu große Einnahmeausfälle, wenn bisherige Jahreskartenkäufer sich auf ein Halb-Jahres-Abo beschränken.

Die BVG erhofft sich dagegen zusätzliche Fahrgäste aus den Reihen der Autofahrer. Die Zahl der Fahrgäste ist bei der BVG im vergangenen Jahr nämlich nur gering um 1,1 Millionen auf 797,1 Millionen gestiegen. Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Mitarbeiter. Die BVG beschäftigt jetzt nur noch rund 13 500 Menschen. Vor der Fusion der Ost-BVB und der West-BVG waren es Ende 1991 noch zusammen 27 000. Das Angebot sei dabei sogar ausgeweitet worden. Trotzdem ist der Personalaufwand im vergangenen Jahr leicht gestiegen.

Gewachsen ist auch der Schuldenberg. Insgesamt betragen die Verbindlichkeiten 847,2 Millionen Euro. Seit 1994 gleicht der Senat die Verluste nicht mehr vollständig aus und schafft so auch bei der BVG einen Schattenhaushalt. Klaus Kurpjuweit

U 5-Geld: Strieder sieht kein Problem

Die rot-rote Koalition hat kein Interesse am Weiterbau der U-Bahn-Linie U 5, obwohl der Rechnungskontrollausschuss des Bundestages einstimmig gefordert hat, dass Berlin in diesem Fall die schon verbauten Bundesmittel zurückzahlen müsse. „Ich verlasse mich auf die Zusage des Verkehrsministeriums, dass die Einstellung des Baus nicht zu Problemen führen wird“, sagte Bausenator Strieder gestern. Angesichts der Haushaltslage müsse der Senat auch in der Verkehrspolitik Prioritäten setzen. Die PDS-Verkehrsexpertin Jutta Matuschek ließ keinen Zweifel daran, dass Rot-Rot die „Kanzlerlinie“ U 5 für entbehrlich hält. Die CDU schlug vor die U 5 „kleinteilig“ mit Mitteln des Straßenbahnbaus weiterzubauen. za

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