Zeitung Heute : Cannabis auf Rezept

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Cannabisbefürworter verweisen auf den therapeutischen Wert der Droge. Tatsächlich scheint es auf verschiedene Krankheiten eine heilsame Wirkung zu haben.

Cannabis lindert Schmerz : Eine Studie von Biologen der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island ergab, dass der Körper bei Schmerzen Cannabis ähnliche Stoffe freisetzt. Diese Stoffe werden auch als „Anandamide“ bezeichnet. Binden sie an bestimmte Andockstellen im Stammhirn, wirkt das schmerzstillend. Vermutlich kann auch Cannabis zum gleichen Effekt führen. Eine kürzlich erschienene Untersuchung im Fachblatt „Nature medicine“ bestätigt dieses Ergebnis. Sie zeigt, dass der psychoaktive Bestandteil des Cannabis, Tetrahydrocannabinol (THC), beruhigend wirkt: Ratten, die mit THC behandelt und Stress ausgesetzt wurden, quietschten weniger als unbehandelte Artgenossen. Dennoch liegt darin keine Empfehlung, Marihuana als Schmerzmittel zu sich zu nehmen. Cannabis besteht aus über 400 Substanzen, darunter solche mit schädlichen Nebenwirkungen. Auch Alkohol wirkt beruhigend und lindert Schmerzen – trotzdem würde kein Arzt zum Alkoholkonsum raten, um diese Leiden zu bekämpfen.

Cannabis und Multiple Sklerose : Es gibt Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass Marihuana einen günstigen Effekt auf die Symptome der Multiplen Sklerose hat, insbesondere auf „spastische Lähmungen“: Die Gliedmaßen der Patienten sind steif und lassen sich nur schwer bewegen. Cannabis soll helfen, sie zu lockern. Eine kürzlich im Fachblatt „Neurology“ veröffentlichte Studie konnte das jedoch nicht bestätigen. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass weder künstliches THC noch das Extrakt der Hanfpflanze die Symptome der MS-Patienten verbessern“, lautet das Fazit des Studienleiters Joep Killestein von der Universität Amsterdam.

Cannabis und Chemotherapie: In einer Studie an 1300 Patienten, veröffentlicht im Fachblatt „British Medical Journal“, konnten Wissenschaftler nachweisen, dass sich Cannabis positiv auf die Chemotherapie auswirkt: Die Krebspatienten berichteten über weniger Übelkeit. Und zwar erwies sich Cannabis dabei sogar als effektiver als konventionelle Medikamente. Allerdings klagten die Patienten zugleich über schwere Nebenwirkungen, wie Schwindelgefühle, Depressionen und Halluzinationen.

Cannabis und Aids: Cannabis kann Aids-Patienten helfen, indem es ihren Appetit anregt. Für Betroffene, die an starker Abmagerung leiden, ist Cannabis damit eine große Hilfe. So hat die Gesundheitsbehörde der USA das Medikament „Marinol“ (Wirkstoff: Dronabinol, künstliches THC) für Aids- und Krebspatienten in der Chemotherapie freigegeben. In Deutschland darf das Medikament seit 1998 durch den Arzt verschrieben werden.bas

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