Zeitung Heute : Carl Friedrich von Siemens Stiftung: Große Hilfe in der Not

Norbert Martin

"Und wenn die Not am größten ist, so ist die Hilfe am nächsten": Dieser Ausspruch, der bei Theodor Fontane häufig auftaucht, könnte auch aus dem Munde des Leiters der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität stammen. Die Bibliothek wird immer dann, wenn einschneidende Sparauflagen drohen, durch großzügige Spenden der Carl Friedrich von Siemens Stiftung aus der größten Not gerettet. Nachdem schon im vergangenen Jahr die Förderung von 500 000 Mark auf 750 000 Mark erhöht worden war, erfolgte in diesem Jahr die Zuwendung in einer Höhe, die in der Humboldt-Universität mit Begeisterung aufgenommen wurde. Insgesamt 1 500 000 Mark stehen verschiedenen Zweigbibliotheken zur Verfügung. Sie sichern nicht nur den Ankauf der für Forschung und Lehre benötigten Literatur, sondern schließen auch Lücken, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind.

Der Schwerpunkt der 1958 unter maßgeblicher Beteiligung des Unternehmers Ernst von Siemens gegründeten Stiftung lag von Beginn an in wissenschaftlichen Vorträgen, Konferenzen und internationalen Symposien. Die Themenbreite ist außerordentlich weit und reicht von der Literaturwissenschaft bis zur Chemie, wobei besonderer Wert auf neue Kontakte zwischen ausländischen und deutschen Wissenschaftlern gelegt wird.

Engagement für neue Länder

Seit 1990 sind neue Projekte hinzu gekommen. So vergibt die Stiftung seit 1993 Fellowships an hervorragende Wissenschaftler, um den Abschluss ihrer Forschungen zu fördern. Die Ehre einer Berufung als Fellow wurde auch dem Juristen und Rechtshistoriker Hasso Hofmann von der Humboldt-Universität zuteil. Besonders intensiv hat sich die Stiftung um die Förderung der Wissenschaft in den neuen Bundesländern verdient gemacht. Verschiedene Universitätsbibliotheken erhielten Zuwendungen der Stiftung.

An der TU Dresden wurde gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft eine "Carl Friedrich von Siemens-Stiftungsprofessur für Elektromagnetische Verträglichkeit" eingerichtet. Geschäftsführer der Carl Friedrich von Siemens Stiftung ist der renommierte Philosoph Heinrich Meier, der sich durch die Herausgabe der Werke von Leo Strauss und zahlreiche Beiträge zur politischen Philosophie einen Namen gemacht hat.

Die Förderung der Bibliotheken der Humboldt-Universität begann im Jahre 1995 mit 100 000 Mark für die Zweigbibliothek der Rechtswissenschaft. In den folgenden Jahren kamen weitere Bibliotheken aus dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich hinzu, und im Jahre 2000 wurden auch die Naturwissenschaften erstmals gefördert. Insgesamt belief sich die Förderung von 1995 bis 2000 auf 2 300 000 Mark und ergänzte von Jahr zu den Jahr den meist sinkenden Etat in steigendem Maße. Die jetzt für 2001 erfolgte Förderung, die die Gesamtsumme auf 3 800 000 Mark erhöht, bedeutet aber auch für das Land Berlin und die Humboldt-Universität eine Verpflichtung, ihrerseits angemessene Mittel bereit zu stellen. Denn die jeweils einmalig vergebenen Stiftungsgelder sind ausdrücklich als Zusatz zu den Erwerbungsmitteln gedacht und nicht dafür vorgesehen, einen unzureichenden Bibliotheksetat auszugleichen.

Der Stifterwille sieht ausdrücklich vor, dass aufgrund der Zuwendung der staatliche Anteil am Etat nicht reduziert werden darf. Er beschränkt die Ankäufe deshalb auf Bücher, die insbesondere von Studenten dringend benötigt werden. Jeder auf diese Weise in die Bibliothek gelangte Titel wird mit einem eigenen Ex-Libris versehen und zeugt so von der besonderen Herkunft. Gleichzeitig werden aber auch die Studenten daran erinnert, dass in Zeiten der Not die Humboldt-Universität viel Anerkennung und Hilfe erfahren hat - durch die Carl Friedrich von Siemens Stiftung.

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