Carla Bruni im Bundestag : Die Schöne, das Geld und die Armen

Die mühseligen Verhandlungen des Bundestags-Haushaltsausschusses über Zahlenkolonnen und Zuteilungsquoten sind gewöhnlich kein Stoff, der Klatschreporter und People-Magazine elektrisiert. Doch der Tag ist absehbar, an dem das Gremium einen Ansturm von Fotoreportern und Kameramännern erleben wird, die im Blitzlichtgewitter um die besten Plätze rangeln. Carla Bruni, die Frau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, will zu den Parlamentariern sprechen, die über den Etat des Bundes wachen. Und mit leiser, rauchiger Stimme dafür werben, dass Deutschland mehr Geld für die Armen der Welt und den „Global Fund“ lockermacht, als dessen Sonderbotschafterin das Ex-Model unterwegs ist.

Was die ehrgeizige Schöne ins deutsche Parlament führt, scheint das Ergebnis eines seltsamen Tauschgeschäfts zu sein. Groß war die Verwunderung, als Sarkozy vor einer Woche nach dem EU- Gipfel behauptete, auch Kanzlerin Angela Merkel wolle Roma-Lager auflösen lassen. Das klang wie der schlechte Witz eines unter Druck geratenen Politikers, war aber völlig ernst gemeint. Merkel dementierte knallhart, die deutsche Seite sprach von einem „Missverständnis“. Missverständnisse zwischen Privatleuten sind bedauerliche Pannen, Missverständnisse zwischen Regierungen wachsen sich schnell zu einer Staatsaffäre aus, mit der in Berlin kein Verantwortlicher das deutsch-französische Verhältnis belasten will.

Bis heute gibt es kein Dementi Sarkozys. Was es gab, war diese Woche ein Treffen des Präsidenten und seiner Frau mit Merkel am Rande der UN-Vollversammlung, bei dem man sich küsste und herzte, dass es eine Freude war. Was es darüber hinaus gab, war offenbar der Wunsch der Sängerin und Präsidentengattin, im Nachbarland für den „Global Fund“ zu werben, der die Bekämpfung von Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose finanziert.

Merkel empfahl nach dem New Yorker Termin einen Auftritt Brunis vor den Haushältern. Wer darin eine Geste des guten Willens gegenüber dem ebenso geltungssüchtigen wie impulsiven Pariser Paar sehen möchte, dürfte sich durch die Reaktion der Ausschussvorsitzenden Petra Merkel bestätigt fühlen. „Ich glaube nicht, dass wir uns überzeugen lassen müssen“, murrte die SPD-Frau. Schließlich habe doch Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die Förderung des wichtigen Fonds von geplanten 600 Millionen in den kommenden drei Jahren auf 200 Millionen Euro im Jahr 2011 reduziert.

Spaßig dürfte das Treffen mit Bruni ohnehin nicht werden. Humor, so sagte sie kürzlich, führe in der Politik oft zu Missverständnissen. Für Sarkozy und sie gelte deshalb: „Witze machen wir nur noch zu Hause.“ Hans Monath

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