Zeitung Heute : Castor erreicht Zwischenlager Gorleben Atomkraftgegner werten Proteste als Erfolg

Berlin - Nach knapp 92 Stunden hat der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll aus Frankreich das Zwischenlager in Gorleben erreicht. Es war der langwierigste Transport seit 30 Jahren. Atomkraftgegner werteten die Proteste, die die Ankunft der Castoren um mindestens einen Tag verzögerten, als großen Erfolg. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast lobte die Castor-Proteste als „Sternstunde der Demokratie“.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bezeichnete den Polizeieinsatz beim Castor-Transport nach Gorleben als äußerst schwierig und kräftezehrend. „Die Polizisten sind bis an die Grenzen ihrer Belastung gekommen“, sagte er. Bei den Protesten gegen den Castor-Transport wurden nach Angaben des niedersächsischen Innenministers 78 Polizisten durch Demonstranten verletzt. Weitere 53 seien durch eigenes Verschulden zu Schaden gekommen, sagte er in Lüchow. Insgesamt seien zur Absicherung des mehrtägigen Atommülltransports knapp 20 000 Polizisten eingesetzt worden. Schünemann verteidigte das Vorgehen der Polizei. Gegen Straftaten wie das Unterhöhlen der Gleisanlagen sei die Polizei konsequent eingeschritten. „Das ist lageangemessen und absolut korrekt abgelaufen“, sagte er. Überwiegend seien die Proteste aber friedlich abgelaufen.

Ebenfalls am Dienstag ordnete das niedersächsische Landesamt für Bergbau den Sofortvollzug des Rahmenbetriebsplans für die weitere Erkundung des Salzstocks in Gorleben als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll an. Damit kann die Erkundung sofort fortgesetzt werden. Das teilte das niedersächsische Umweltministerium mit. Dieser Rahmenbetriebsplan war am 1. Oktober in Kraft getreten. Da aber mehrere Klagen gegen den Betriebsplan eingereicht worden waren, ruhten die Erkundungsarbeiten seit zwei Wochen.Tsp

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!