Zeitung Heute : CD-ROM-Report: Für starke Nerven: Blair Witch als Spiel

Klaus Angermann

Mit der Angst lässt sich viel Geld verdienen. Millionen zitterten früher bei Hitchcocks "Psycho"-Filmen, gingen zu Freddie Krügers "Nightmare" oder der "Scream"-Reihe ins Kino, um sich ordentliche Schrecken einjagen zu lassen - und sich dabei zu amüsieren. Keiner dieser Schocker hat aber - im Verhältnis von Einspielergebnis zu Produktionskosten - mehr Geld eingefahren als 1999 der Low-Budget-Film "Blair Witch Project". Zur Verfügung standen den Absolventen einer Filmhochschule in Florida nicht einmal 30 000 Dollar. Der anspruchsvolle Cineast bekam keine Specialeffects zu sehen: Aufgenommen wurde mit zwei Handkameras, die mit verwackelten Bildern und Helligkeitsproblemen zu kämpfen hatten. Dennoch spielte das Movie um drei Teenager, die im Wald umkommen, einen dreistelligen Millionen-Betrag ein.

Pünktlich zum Start der Blair-Witch-Fortsetzung steht nun das erste Spiel einer dreiteiligen Serie mit dem Titel "Blair Witch Volume 1: Rustin Parr" in den Regalen. Doch nicht jede multimediale Umsetzung ist ihr Geld wert. Kann Rustin Parr die gruselige Stimmung, die Blair Witch generierte, auch entsprechend einfangen?

Schon bei der Installation stimmen unheimliche Sphärenklänge und Angstschreie aus den PC-Boxen erwartungsvoll ein. Die Handlung startet 1941, also vor dem Kinofilm. Die Geheimagentin Doc Holliday ist in Burkittsville, Maryland, auf der Suche nach bösen Geistern, die den Einsiedler Rustin Parr dazu gebracht haben sollen, sieben Kinder grausam zu töten. Am Start muss Holliday Rätsel knacken und Informationen aus Befragungen ziehen. Actionfans werden schnell die Geduld verlieren, denn es dauert einige Zeit bis zur Hexenjagd. Auch über die drei Waffen werden Unreal- oder Deus Ex-Freaks nur müde lächeln. Die Grafik offenbart keine großen Schwächen, das Highlight ist der Sound, der die Verbreitung einer gruseligen Grundstimmung vorantreibt. Der Schwierigkeitsgrad ist akzeptabel und steigt allmählich an, gut für Anfänger.

Also eine gelungene Umsetzung? Eingefleischte Adventure-Daddler kritisieren die zu wenigen Szenarien, manchmal die fehlende Spieltiefe, und bisweilen die ellenlangen Ladezeiten beim Wechsel in neue Szenen. Aber dafür sorgt schon die akustische Untermalung an manchen Stellen für eine Gänsehaut, und die gelungene Darstellung gruseliger Gebäude versetzt in die richtige Atmosphäre. Insgesamt durchaus ein Gruselspaß, den man sich - wenn einem der Film gefallen hat - auch angesichts des günstigen Preises von 40 Mark gönnen darf, wenn man über einen Windows-Rechner mit mindestens 233 Megahertz und 3D-Beschleuniger verfügt.

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