Zeitung Heute : CDU-Spendenaffäre: "Wir wurden unter Druck gesetzt"

Herr Wienhold[Ihre Firma Aubis steh] Herr Neuling[Ihre Firma Aubis steh]

Schwere Vorwürfe erheben Klaus Wienhold und Christian Neuling, Geschäftsführende Gesellschafter der Aubis-Gruppe, gegen die Bankgesellschaft Berlin. Die Aubis hatte Mitte der 1990er Jahre 15 000 Wohnungen in Plattenbauten erwerben wollen. Die Berlin Hyp soll der Finanzierung des rund 700-Millionen-Geschäftes zugestimmt haben. Dann sei das Geldhaus den Rückzug auf Raten von den Verträgen angetreten. Weil die Bankgesellschaft das Geschäft selbst machen wollte - sagen die Aubis-Chefs.

Herr Wienhold, Herr Neuling, Ihre Firma Aubis steht im Mittelpunkt der Spendenaffäre. Nach derzeitiger Gerüchtelage sind Sie Pleitiers und können der Berlin Hyp dankbar sein, dass sie Ihnen bereits 1997 die ersten 4000 Wohnungen in Plattenbauten abnahm. Wie groß waren Ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten damals?

NEULING: Eine Schräglage hat es bei Aubis zu keinem Zeitpunkt gegeben.

WIENHOLD: Und es ärgert uns, dass heute rückblickend eine Legendenbildung erfolgt. Wenn wir eine Schieflage gehabt hätten, müsste das doch den wirtschaftlichen Ergebnissen des Unternehmens Aubis zu entnehmen sein. Genau das Gegenteil ist aber der Fall.

NEULING: Aber es macht natürlich einen Sinn, über eine angebliche Schieflage zu reden, weil damit ein gewisses Motiv geschaffen wurde, warum wir bereits 1997 4000 Wohnungen verkaufen mussten und warum die Immobilien unbedingt in einen Fonds der Immobilientochter der Bankgesellschaft wechseln sollten.

Das klingt nach Verschwörung...

NEULING: Nein, das Wort hat einen strafrechtlichen Anklang. Sagen wir eher, dass sich die Geschäftspolitik der Berlin Hyp ab 1997 veränderte. Die Bankgesellschaft, unter deren Dach sie steht, erwartete offenbar einen bestimmten Profit. Und dann, nachdem uns die 4000 Wohnungen aus der Hand genommen worden waren, hieß es plötzlich, es habe eine Schieflage bei der Aubis gegeben, und wir hätten keine Ahnung vom Immobilien-Geschäft gehabt.

Ihre Immobilienkompetenz wird tatsächlich in Frage gestellt...

WIENHOLD: Wie steht es aber um die Immobilienkompetenz innerhalb der Bankgesellschaft? Darüber diskutiert das Land Berlin im Augenblick doch eher. Dort laufen doch offenbar echte Verluste auf. Noch einmal: Bei Aubis gab und gibt es keine Verluste. Wir sind nicht einen Kredit schuldig geblieben. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Aber der Wert der Immobilien im Osten ist in den letzten Jahren drastisch gefallen. Sie stellen das jetzt so dar, als ob diese Krise Sie allein verschont hätte...

NEULING: Ja, weil wir die Immobilien nicht verkaufen mussten. Die Wohnungen sollten in unserem Eigentum bleiben, und die Mieteinnahmen die Kosten für die Sanierung und den Kaufpreis decken. Das hat geklappt. Wir haben 1997 gut verdient. Wir haben die ganze Zeit über die Zinsen für die Kredite bezahlt und außerdem zwischen einem und zwei Prozent getilgt. Bis April 1999 haben wir sämtliche Leistungsraten voll erfüllt.

Sie sagen, Aubis sei nie ein Sanierungsfall gewesen, aus dem Umfeld der Bankgesellschaft ist zu hören, dass Sie in den Aubis-Engagements große Risiken sah. Die sind offenbar auch eingetreten. Das Geldhaus stellte Wertberichtigungsbedarf fest. Wo lagen denn die Risiken? Und warum zog die Bank plötzlich Ihre Kreditzusagen zurück?

NEULING: Ab 1998 gab es eine zunehmende Verschleppung bei der Valutierung bestehender Kreditverträge für Baumaßnahmen. Das heißt, die Berlin Hyp zahlte die zugesagten Gelder nicht mehr aus. Deshalb summierten sich unsere Forderungen gegen die Bank auf rund 17 Millionen Mark. Diese Summe mussten wir vorfinanzieren. Für einen Mittelständler wie uns war das schwierig. Deshalb habe ich 1999 dem Berlin Hyp Vorstand Jürgen Noack geschrieben, wir würden nun unsere Außenstände bei ihm verrechnen mit seinen Forderungen gegen uns über die Zinsen für bereits ausgezahlte Kredite. Denn mir war klar, dass wir sonst in die Lage gekommen wären, dass wir uns überhaupt nicht mehr bewegen konnten. Eigentlich war es ein ganz pragmatischer Vorschlag, wir wollten wechselseitige Forderungen miteinander verrechnen.

Welchen Grund sollte die Berlin Hyp denn gehabt haben, die Auszahlung der Kredite an Aubis zu verzögern?

NEULING: Ich weiß es nicht. Aber wenn wir noch einige Monate gewartet hätten, hätten wir keine müde Mark mehr gehabt. Es war das übliche Spiel des Großen mit dem Kleinen. Nach unserem Vorschlag haben wir uns alle an einen Tisch gesetzt, und da brachten die Banker plötzlich das Nießbrauchmodell der damaligen Tochter der Bankgesellschaft Bavaria auf. Ganz zufällig. Auf dieses Modell haben wir uns dann verständigt. Die Lage war ja wie in einer zerrütteten Ehe. Deshalb hielten wir es für besser, einen Schnitt zu machen. Seit dem ersten Januar 2000 trägt die Berliner Hyp nun also die gesamte unternehmerische Verantwortung für das ganze Paket der ehemaligen Aubis-Plattenbauten. Und wir haben keine Mark Schulden bei der Berlin Hyp. Wir sind nicht eine Leistungsrate schuldig geblieben. Es wurde alles auf Heller und Pfennig zurückgezahlt.

Aber das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen hat Millionen-Risiken bei Aubis-Wohnungen entdeckt. Brachten Sie nicht durch Ihre Verrechnungs-Strategie die Berlin Hyp in Zugzwang. Hatte die Berlin Hyp überhaupt eine Wahl?

NEULING: Den Wertberichtigungs-Bedarf stellt das Amt doch heute erst fest, also ein Jahr nachdem wir die Wohnungen übertragen haben. Auch uns war bereits aufgefallen, dass die Immobilientochter der Bankgesellschaft die halbfertigen Wohnungsblöcke unsaniert stehen ließ. Jeder Wohnungswirtschaftler weiß, dass das einen enormen Schaden nach sich zieht. Über die Wertberichtigung hat mit uns aber bisher niemand gesprochen. Dabei sind wir rechtlich immer noch Eigentümer, obwohl die Nutzen und Lasten derzeit bei der Immobilientochter der Bankgesellschaft liegen. Doch nach Ablauf der Nießbrauchsvertrags fallen die besagten Immobilien an uns zurück. Deshalb werden wir unsere Nießbrauchnehmer nun auffordern, uns zu erklären, wie es zu dieser Wertberichtigung kommt.

WIENHOLD: Außerdem kamen unsere Vereinbarungen mit der Berlin Hyp in 1997 nicht wegen Schwierigkeiten der Aubis zustande. Die damalige Immobilientocher der Bankgesellschaft wollte die Wohnungen haben für ihre Fonds. Viele Alternativen hatte sie nicht. Denn ein Immobilienpaket wie unseres war in den Neuen Ländern schwer zu finden. Und die Immobilientochter der Bankgesellschaft hatte die Vorgabe, jedes Jahr einen Milliarden-Umsatz zu machen. Die 4000 sanierten Aubis-Wohnungen waren ihnen aber auch deshalb besonders sympatisch, weil sie die Preise genau kannte, zu denen wir die Immobilien eingekauft hatten. Sie konnten sich außerdem über die Qualität unserer Sanierungen in Leipzig überzeugen. Deshalb wurde erheblicher Druck auf uns ausgeübt, die Objekte zu verkaufen. Wir mussten uns dazu verpflichten.

Warum haben Sie nicht Widerstand geleistet gegen die angebliche "Enteignung"?

WIENHOLD: Wir hatten doch schon Kaufverträge abgeschlossen. Und nun zahlte die Bank die Kredite nicht aus. Wenn man in einer solchen Lage keine millionenschwere Kriegskasse hat, fängt man doch keinen Streit mit der Bank an.

Obwohl Sie die schlechtesten nur erdenklichen Karten hatten? Nach Ihrer Darstellung wusste der Käufer doch genau, was Sie investiert hatten. Demnach hätten Sie überhaupt keine Chance mehr gehabt, irgendeinen Unternehmergewinn zu machen...

NEULING: Was sollten wir denn tun? Zumal zu dieser Zeit man mit Hilfe der Öffentlichkeit begann, Druck auf Aubis auszuüben. Es gab Gerüchte um eine Schräglage, obwohl wir damals das wirtschaftlich beste Jahr und einen deutlichen Cash-Flow im achtstelligen Bereich hatten.

Sie sehen sich also als Opfer einer veränderten Geschäftspolitik?

NEULING: Ja, aber wir wissen gar nicht, ob der Berlin Hyp-Vorstand Noack dafür verantwortlich war oder die Bavaria. Wir waren mitten in diesem ganzen Geflecht von Berlin Hyp, Bankgesellschaft Berlin und deren Immobilientöchter. Wer nun wirklich den Druck ausgeübt hat und die Geschäftspolitik verändert hat, das ist Spekulation.

In das Bild passt aber nicht, dass Ihnen für die Kredit-Auszahlung noch die Zustimmung der Gremien fehlte. Es soll einen Vorbehalt in den Verträgen gegeben haben. Weil man Ihnen das große Geschäft nicht zugetraut hat?

WIENHOLD: Der Gremienvorbehalt ist doch in jeder Finanzierungszusage enthalten. Wir hatten verbindliche Verträge. Man kann doch keine Kaufverträge über Immobilien abschließen, ohne zuvor die Finanzierung sichergestellt zu haben. Im übrigen ist es doch sonderbar, dass urplötzlich, kurz nachdem wir die Verträge mit der Immobilientochter der Bankgesellschaft abgeschlossen hatten, die Kreditsummen geflossen sind. Das waren dieselben Wohnungen, mit denselben Finanzierungszusagen und dem selben Sanierungskonzept.

Im Klartext, es gab ein Eigeninteresse der Bankgesellschaft Berlin...

NEULING: Na logisch und zwar der gesamten Bankengruppe.

Gab es ein Eigeninteresse des Landes?

NEULING: Kann ich nicht sagen.

Gab es ein Eigeninteresse von Bankgesellschaftschef Wolfgang Rupf?

NEULING: Ein hohes Interesse hatte dessen damaliger Immobilien-Chef Schoeps. Er hat das in Ihrem TAGESSPIEGEL-Interview doch selbst bestätigt, dass die Aubis-Wohnungen ein gutes Geschäft waren. Er brauchte das auch. Zum Ende des Jahres mussten seine Gesellschaften doch immer ihre Fonds voll bekommen. Den dazu erforderlichen wohnungswirtschaftlichen Anteil hatte er nie gehabt. Deshalb brauchte er unsere Platten. Und der Druck war 1997 noch größer, weil Ende 1998 die hohen steuerlichen Vorteile nach Fördergebietsgesetz ausliefen. Es nutzte dem Fonds ja nichts, unsanierte Wohnungen dort hinein zu stellen. Deshalb haben sie sich die Zuckerstücke aus den Aubis-Beständen herausgesucht. Und dann haben wir unterschreiben müssen. Anschließend haben wir innerhalb von einem Jahr 4000 Wohnungen durchsaniert im Auftrag der Immobilientochter der Bankgesellschaft. Und jetzt sagt man uns nach, wir hätten vom Immobilien-Geschäft keine Ahnung.

Die Bankgesellschaft hat also rumgetrickst, um an Ihre Platte ranzukommen?

WIENHOLD: So ist es. Und das Geschäft, das die Immobilientochter der Bankgesellschaft damit gemacht hat, war ausgezeichnet. Es liegt im hohen achtstelligen Bereich.

Fühlen Sie sich also als Opfer der Bankgesellschaft?

NEULING: Ja.

Also auch von der Landesregierung unter Eberhard Diepgen...

NEULING: Nein. Zuständig sind allein Vorstand und Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin AG.

Für die Immobiliengeschäfte der Bankgesellschaft war aber der Vorstand Klaus Landowsky zuständig...

NEULING: Das Ganze hat mit Herrn Landowsky wenig zu tun. Hier geht es um eine Politik, die im erweiterten Rahmen Bankgesellschaft Berlin und deren Immobilientochter IBG zu sehen ist. Ausgesucht hat die Platten die Bankgesellschaftstochter Bavaria, und das ganz sicher mit dem Hintergrundwissen der Berlin Hyp. Die Akten sind ja nahtlos rübergegangen.

Warum haben Sie nicht den Immobilienvorstand der Bankgesellschaft und Parteifreund Klaus Landowsky angerufen?

WIENHOLD: Das stand nicht zur Debatte.

Landowsky wusste von dem Druck der Bankgesellschaft auf die Immobilientochter IBG. Dem sind Sie Ihrer eigenen Darstellung zufolge zum Opfer gefallen. Hat also Ihr Parteifreund Sie im Stich gelassen?

NEULING: Da gibt es einen Typen Neuling, der sieht das analytisch und sehr stringent. Dann gibt es einen Partner Wienhold, der sieht das emotionaler. Im geschäftlichen Leben gilt aber nur das Analytische. Im Fall Aubis änderte die Bank ihre Geschäftspolitik. Damit müssen wir leben.

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