Zeitung Heute : CeBIT: Heilloses Chaos nur für Außenstehende

Kurt Sagatz

Die CeBIT war schon immer für Superlative gut. Seit vielen Jahren ist die Hannoveraner Veranstaltung nicht nur die größte Messe für Computer- und Informationstechnik, sondern die größte kommerzielle Präsentationsveranstaltung der Welt insgesamt. Und das mit ungebrochenem Wachstum, denn mit 8000 Ausstellern legt die CeBIT auch dieses Jahr weiter zu. An den sieben Messetagen vom 22. bis zum 28. März werden rund 780 000 Besucher erwartet. Nimmt man die rund 100 000 Menschen hinzu, die als Aussteller, Dienstleister, Medienvertreter etc. das Messegelände bevölkern, werden sich so täglich 200 000 Menschen die rund eine Million Quadratmeter Fläche teilen, wie Ulrich Koch von der Deutsche Messe AG vorrechnet.

Für Veranstalter und Aussteller beginnt die heiße Phase der CeBIT freilich bereits Wochen vorher. Große Unternehmen wie zum Beispiel die Telekom, die einen großen Teil der Halle 26 belegt, kommen mit den zwei Wochen, die normalerweise für den Messeaufbau berechnet werden, bei weitem nicht hin. Bei Ausstellern von dieser Größenordnung beginnt die heiße Phase rund einen Monat vor der Eröffnung. Vorausgesetzt natürlich, die Halle wird nicht noch für andere Ereignisse benötigt. Andere, kleinere Aussteller haben etwas mehr Ruhe, denn sie nutzen häufig die vorgefertigen Systemstände der örtlichen Messebauer.

Von heillosen Chaos während der Aufbauphase will Koch dennoch nichts wissen. "Das sieht nur für Außenstehende so aus", meint der Messemitarbeiter. Und damit es nicht zum Chaos kommt, gelten für den Aufbau klare Regeln, die zum Beispiel festlegen, dass in den letzten drei Tagen nur noch der wichtigste Lieferverkehr die Straßen zwischen den Hallen benutzen darf. Damit soll sichergestellt werden, dass der Verkehr auf den Flächen zwischen den Hallen in der gewohnheitsmäßig hektischsten Phase nicht zum Erliegen kommt. Was allerdings nichts daran ändert, das die meisten Aussteller wiederum jedes Jahr am Tag vor dem offiziellen Start bis tief in die Nacht hinein letzte Arbeiten erledigen müssen. Schließlich reicht es gerade auf einer Messe wie der CeBIT nicht aus, allein die Stände aufzubauen. Genauso wichtig ist, dass die dort aufgebauten Geräte richtig vernetzt und eingerichtet sind.

In diesem Jahr kann jedoch auch Sony Deutschland die CeBIT etwas gelassener angehen. Im letzten Jahr war die Aufbauzeit zum einen wegen der Expo-Vorbereitungen und zum anderen wegen einer weiteren Großveranstaltung im Vorfeld verkürzt worden. Für Sony hatte das zur Folge, dass der Messestand im Drei-Schicht-Betrieb hochgezogen werden mußte. In diesem Jahr stehen dem Elektronikkonzern die vollen vier Wochen zur Verfügung, wie der Projektleiter CeBIT der Sony-eigenen Messe- und Ausstellungsgesellschaft, Peter Hütten, erklärt. An statt rund um die Uhr arbeiten zu müssen, reichen diesmal somit 10-Stunden-Schichten aus, die von den bis zu 30 Mitarbeitern in dieser Phase absolviert werden. Sind die Messetore jedoch erst einmal geöffnet, vergrößert sich das Sony-Messeteam sprunghaft auf 260 Menschen, der Großteil direkt aus dem eigenen Unternehmen.

Dass der Messeaufbau mit jeder Messe routinierter vonstatten geht, hängt damit zusammen, dass der Stand aus Modulen aufgebaut wird, die über mehrere Jahre genutzt werden. "Es geht nicht um Kosteneinsparung, sondern um den Wiedererkennungseffekt", so Hütten. So wird zudem auf ein eigenes Messemotto verzichtet und dafür auf den eingeführten Werbeslogan "go create" gesetzt. Der richtige Stress geht für Sony zudem erst zur Internationalen Funkausstellung diesen Sommer los, denn dann muss eine Standfläche von 6000 Quadratmetern aufgebaut werden. Dagegen nehmen sich die 2000 Quadratmeter der CeBIT fast bescheiden aus.

Mit einer Größe von 3900 Quadratmetern Ausstellungsfläche gehört IBM zu den Großausstellern der CeBIT. Neben der Traditionshalle 1 ist IBM auch in den Hallen 2 und 21 vertreten und will in diesem Jahr das zweite Kapitel des eBusiness mit dem Motto "eBusiness - Future ready" aufschlagen. Der CeBIT kommt dabei für IBM die Rolle der jährlichen Leitmesse zu, denn ingesamt wird das Unternehmen mit 1200 bis 1500 Mitarbeitern in Hannover vertreten sein. Dementsprechend beginnt die Planung für das Großereignis, das überdies mit der Strategie des weltweit agierenden Konzerns abgestimmt werden muss, bereits lange zuvor. Bereits seit Oktober letzten Jahres laufen die Vorbereitungen.

Die Telekom läuft zur CeBIT zu Höchstform auf. In Halle 26 baut der Rosa Riese eine Präsentation mit insgesamt 10 000 Quadratmetern auf. Auf drei Ebenen stellt die Telekom dabei ihre vier Säulen T-Online, T-Systems, T-Mobil und T-Com vor. Rund zehn Kilometer Leitungen, darunter auch Hochleistungs-Glasfaserstrecken, sollen das richtige Online- und Kommunikationsgefühl am Stand ermöglichen. Und wer seine Fragen nicht durch einen Blick in die zahlreichen Flachbildschirme beantwortet bekommt, kann sich Rat bei den 500 dezent gekleideten Telekom-Mitarbeitern holen.

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