Zeitung Heute : CeBIT Home: Die Computer- und Multimediamesse in Leipzig fällt dieses Jahr aus

Die Computer- und Multimediamesse CeBIT Home in diesem Herbst in Leipzig fällt aus. Grund ist das zu geringe Interesse bei den Ausstellern. Die Deutsche Messe AG in Hannover als Veranstalter dieser vor allem auf Verbraucher ausgerichteten Messe beschloss deshalb am Mittwoch, die Messe abzusagen. Es hätten sich bisher nochmals deutlich weniger Aussteller angemeldet als vor zwei Jahren, sagte ein Sprecher der Messe AG. Das gesamte Konzept einer Multimediamesse, die sich an die Privatverbraucher wendet, müsse jetzt neu überdacht werden.

Die CeBIT Home hätte in diesem Jahr zum dritten Mal stattfinden sollen. Wegen der Weltausstellung in Hannover war als Ausweichstandort Leipzig gewählt worden. Allerdings gab es schon 1996 und 1998 bei den beiden bisherigen CeBIT Home-Messen Kritik am Konzept. Für Leipzig ist die Absage ein schwerer Schlag.

Die Leipziger Messegesellschaft bedauerte die Entscheidung. "Wir hätten zeigen können, wie sehr das neue Gelände und sein Umfeld für Messen in diesem Bereich geeignet sind", sagte Sprecherin Heike Fischer. Die Messe müsse Verluste hinnehmen, weil nun Mieteinnahmen verloren gehen. Zahlen nannte sie nicht. Auch Sachsens Wirtschaftsminister Kajo Schommer bedauerte die Absage. Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee zeigte sich tief enttäuscht über die Absage. "Offenbar ist es den Veranstaltern nicht gelungen, eine attraktive CeBIT Home zu organisieren", sagte Tiefensee. Bei Gesprächen mit Unternehmen sei ihm versichert worden, dass der Standort Leipzig nicht der Grund für den Rückzug ist.

Die hannoversche Messegesellschaft erklärte, Leipzig sei als Standort für die CeBIT Home gut geeignet gewesen. Doch habe angesichts der fehlenden Aussteller "die Basis für eine erfolgreiche Messe" gefehlt. Die Anmeldungen lagen weit unter dem Niveau von vor zwei Jahren.

Den Ausschlag gab offenbar die Entscheidung der vielen Hersteller von Spielesoftware gegen die CeBIT Home. Der Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD) warf der Messe AG vor, nicht ausreichend auf Vorschläge für mehr Unterhaltung und Aktionen anstelle einer zu sehr auf Informationen orientierten Messe eingegangen zu sein. Zuletzt hatte Sony bekannt gegeben, an der diesjährigen CeBIT Home nicht mir der Playstation II nach Leipzig zu kommen.

Der Vorwurf, die Messe AG habe sich nicht engagiert um die CeBIT Home gekümmert, sei nicht richtig, meinte Messesprecher Eberhard Roloff. "Wir machen lieber erfolgreich Messen, als sie abzusagen." Die Messe AG werde nun Konsequenzen ziehen. Es werde aber weiter darum gehen, eine neue anwenderorientierte Multimedia-Messe für Verbraucher zu entwickeln, ergänzte Roloff.

Die Idee für die CeBIT Home wurde aus einer gewissen Not heraus geboren. Weil die so erfolgreiche Computermesse CeBIT alljährlich zu Beginn des Frühjahrs in Hannover aus allen Nähten platzte, suchten die Veranstalter Mitte der 90er Jahre nach einer Teilung. Die Privatbesucher sollten der CeBIT fern bleiben - und dafür alle zwei Jahre im Wechsel mit der Berliner Funkausstellung mit einer verbraucherorientierten Multimedia-Messe bedient werden.

Der großen CeBIT tat die Ausgliederung keinen Abbruch. Dafür kam die kleine Schwestermesse nie aus dem Schatten der Mutter heraus. 1996 zur Premiere kamen 632 Aussteller, gerade mal zehn Prozent im Vergleich zur CeBIT. Mit den 215.000 Besuchern waren etliche Aussteller nur bedingt zufrieden: Zu wenig Händler seien dabei gewesen, hieß es. Denn Privatbesucher können auf einer CeBIT nichts kaufen und kommen vor allem, um zu gucken und neue Spiele oder Geräte zu testen.

1998 bei der zweiten CeBIT Home sank die Zahl der Aussteller auf 586, die der Besucher fiel auf 180.000. Eine Halle wurde mangels Aussteller gar mit Automobilen aufgefüllt. Schwerpunkt war die Spiele-Software, die auch in diesem Herbst in Leipzig als Topthema gedacht war. Doch diesmal spielten auch die PC-Spielemacher nicht mit. Auch das schnell kreierte neue Top-Thema Internet zog nicht.

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