Center-Eröffnung in Steglitz : Ein Schloss fürs Volk

Am 16. März eröffnet das Einkaufscenter am alten Rathaus Steglitz. 200 Millionen Euro hat der Bau mit seiner spektakulären Projektionskuppel gekostet

Es ist das teuerste Bauprojekt in Steglitz seit dem Zweiten Weltkrieg und trägt einen zum fürstlichen Aufwand passenden Namen: Am 16. März öffnet das Einkaufszentrum „Das Schloss“ am roten alten Rathaus in der Schloßstraße/Ecke Grunewaldstraße. 200 Millionen Euro hat ein Immobilienfonds der Firma H.F.S. unter Geschäftsführer Harald G. Huth investiert. Den „Stolz von Steglitz“ und das „einzigartigste“ Center Berlins verspricht Huth auf Transparenten an den Bauzäunen.

Bei der Fassade orientierte sich Architekt Manfred Pechthold „an Kaufhäusern des 19. Jahrhunderts“. Außerdem soll das Center zum denkmalgeschützten Rathaus-Altbau passen. Die Fensterbögen entstanden durch Sandsteinelemente, die vor die Glasfassade gehängt wurden.

Noch ungewöhnlicher wirkt die Innenarchitektur mit Stuck, Säulen, Mäander-Ornamenten oder Wandgravuren, die Blumen und antike Vasen darstellen. Oben gibt es nachgebildete kleine Balkone und Fenster imaginärer Wohnhäuser. Palmen und Brunnen runden das Bild ab.

Doch damit nicht genug: Huth hat sich Filmvorführungen an der Kuppeldecke ausgedacht. 24 Projektoren strahlen eine fast 2000 Quadratmeter große Fläche an: den „Mediahimmel“.

Huth spricht von der „größten Leinwand der Welt“. Zum Programm gehören Unterwasserlandschaften, Weltraumbilder und Naturaufnahmen von der Erde. Wer den ganzen Tag im „Schloss“ verbringt, könnte zum Beispiel einen Sonnenaufgang beobachten und abends die Sonne rot am Horizont verschwinden sehen. Geräusche von Objekten wie Flugzeugen, die sich über die Leinwand bewegen, sollen die Illusion vervollständigen.

Die Geschäfte auf vier Etagen und im Untergeschoss bieten alles, was man üblicherweise in Centern findet. Als voraussichtliche Publikumsmagneten gelten Media Markt und Conrad Electronic. Den meisten Raum nehmen Modehandlungen ein – von Benetton bis Gerry Weber. 1700 Quadratmeter belegt allein der Herrenausstatter Anson’s.

In das Center ziehen auch Läden, die ihre alten Standorte in der Nähe vorerst behalten. Das Schuhhaus Wittstock hat nun sogar drei Filialen entlang der Schloßstraße. Zwei Filialen im Kiez besitzen künftig auch H&M, McPaper, und 17 weitere Läden. Branchenkenner nehmen an, dass manche Läden ihre alten Räume aufgeben werden, wenn die Mietverträge auslaufen. Trotzdem droht aber wohl kein Leerstand in der Straße, schließlich hat sie die zweithöchste Passantenfrequenz Berlins und zieht immer wieder neue Geschäfte an.

Zur Gastronomie im Center gehört die dritte Berliner Niederlassung des italienischen Restaurants „Die zwölf Apostel“. Zusammen mit anderen Lokalen zieht es in den glasüberdachten Lichthof.

Auch die Radiosender Berliner Rundfunk, Kiss FM und 94,3 RS 2 senden künftig aus dem „Schloss“. Ein auf den ersten Blick überraschender Mieter ist die Zentrale der bezirklichen Stadtbibliothek, die im Sommer einzieht. Die Räume ersetzen den abgerissenen Altbau der Bibliothek in der Grunewaldstraße.

Der Bauherr H.F.S. betreibt bundesweit schon sechs Einkaufszentren, darunter die Gropius-Passagen in Neukölln. Den eigenwilligen Centernamen dachte sich Geschäftsführer Huth erst vor kurzem aus. Anfangs hieß das Projekt „Schlossgalerie Steglitz“, doch Huth sah eine Verwechslungsgefahr. In der Schloßstraße gibt es auch die „Galleria“, und am WaltherSchreiber-Platz entsteht das „Schloßstraßen-Center“. Der Titel „Das Schloss“ hingegen ist nicht nur einprägsam; er betont zugleich den Prachtanspruch.

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