Zeitung Heute : „Center sollten sich im Großen

Wirtschaftsstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) über den Shopping-Standort Steglitz und

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Welchen Stellenwert hat die Schloßstraße in der Berliner Geschäftswelt?

Die Schloßstraße steht im Vergleich ganz ausgezeichnet da. Zählungen des Handelsverbands zufolge ist sie nach dem Straßenzug Kurfürstendamm und Tauentzienstraße die Einkaufsstraße Nummer zwei in der Stadt. Sie ist also eine überbezirkliche Einkaufsstraße, übrigens schon seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Trotzdem bleibt die Kaufkraft der Bewohner aber nicht zu 100 Prozent im Bezirk. Die Kunden gehen zum Teil ins Umland, aber auch in Richtung Kurfürstendamm. Mit den Aktivitäten, die Investoren jetzt hier starten, soll natürlich Kaufkraft zurückgezogen werden. Das schafft dann hoffentlich zusätzliche Arbeitsplätze.

Außer dem Forum Steglitz, das gerade umgebaut wird, soll es bald zwei neue Einkaufszentren in der Nähe geben: die Schlossgalerie am alten Rathaus und das Schloss-Straßen-Center am Walther-Schreiber-Platz. Gibt es dafür genügend Bedarf?

Ja, aber ich würde mir wünschen, dass die neuen Center wenigstens im Großen absprechen, wo sie sich unterscheiden wollen. Es wird zwangsläufig Überschneidungen geben. Aber wenn sie sich nur für den gleichen Kundenkreis Konkurrenz machen, vertragen das voraussichtlich beide nicht.

Wird sich das Forum Steglitz gegen die geplanten neuen Center behaupten können?

Ich denke schon. Es gibt dort neben den so genannten Ankermietern einige kleinere Geschäfte, die das Sortiment bereichern. Und wenn es gelingt, den Born-Markt in veränderter Form beizubehalten, dann hat das Forum seine Chance. Nicht umsonst nimmt der Eigentümer Hammerson eine ganze Menge Geld in die Hand, um das Forum umzugestalten. Das würden sie nicht tun, wenn sie keine längerfristige Perspektive sähen. Es ist ja das älteste Einkaufszentrum, das wir hier haben. Und die Betreiber legen großen Wert auf ihre Hausnummer: Schloßstraße 1.

Was wird aus den Warenhäusern von Karstadt und Wertheim?

Die Warenhäuser haben Veränderungsabsichten, darüber entscheidet aber die Konzernzentrale in Essen. Beide gehören ja zu Karstadt-Quelle, machen sich aber hier nebeneinander Konkurrenz. Ich rechne damit, dass eines der zwei Häuser irgendwann gestrichen wird. Dann wäre es notwendig, das andere aufzustocken. Aber es liegen uns keine aktuellen Pläne vor. Das hängt auch damit zusammen, wie die Neuordnung des Karstadt-Konzerns weitergeht. Erst wenn das feststeht, wird sich die Konzernleitung wohl dazu entschließen, hier etwas zu machen. Jedenfalls soll der Standort nicht aufgegeben werden; das hat man uns schon signalisiert.

Und welche Chancen haben die mittelständischen Händler rund um die Schloßstraße?

Auf der Schloßstraße werden sich kleinere Geschäfte als Spezialanbieter halten können. Andere Läden wandern in die Seitenstraßen, allein schon wegen der Gewerbemieten. Aber im Rahmen des Umbaus der Schloßstraße durch den Bezirk planen wir auch einheitliche Wegweiser, um auf Geschäfte in den Seitenstraßen hinzuweisen. Wir haben ja nicht nur die große Arbeitsgemeinschaft der Einzelhändler in der Schloßstraße, sondern inzwischen auch aktive Zusammenschlüsse der Händler in der Umgebung.

Welche Bedeutung hat die Albrechtstraße für den Handel?

Die Albrechtstraße dient mehr der Kiezversorgung, das heißt, der Deckung des täglichen Lebensbedarfs. Dort tun sich die Händler noch etwas schwer, sich zusammenzuschließen – wir haben das zwei Mal mit Straßenfesten versucht, zu initiieren und zu fördern. Außerdem haben wir die Albrechtstraße mit einem bezirklichen Serviceheft unterstützt. Es wurde von einem regionalen Wirtschaftsbüro gestaltet, das wir mit Hilfe der Arbeitsagentur eingerichtet hatten. Bezahlt haben das die Händler aber selber. In ähnlicher Form haben wir das auch für die Geschäfte in der Umgebung des Botanischen Gartens gemacht.

Was bringt der geplante Umbau der Schloßstraße den Läden und Lokalen?

In der Bezirksverordnetenversammlung sind sich alle Fraktionen einig, dass in der Schloßstraße etwas passieren muss. Über die Einzelheiten wird noch diskutiert. Das Bezirksamt hat in seiner Investitionsplanung aber vorsorglich schon eine Anfangssumme von 200 000 Euro für das Jahr 2008 veranschlagt. Es kommt darauf an, die Aufenthaltsqualität zu verbessern – zum Beispiel durch ein oder zwei Straßencafés oder eine Eisdiele im Freien. Dazu sind Umbauten der Parkhäfen notwendig, weil der Bürgersteig der Schloßstraße im Augenblick relativ schmal ist. Sie braucht breitere Verkehrsflächen für die Fußgänger – und um hier und da vielleicht eine Sitzbank aufzustellen. Denn ein Großteil der Kunden in der Schloßstraße sind älteren Semesters.

Der starke Autoverkehr trägt aber nicht gerade zur Gemütlichkeit bei...

Wir müssen mit dem Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg darüber reden, wie wir den Durchgangsverkehr lenken können. Es hat wenig Sinn, den Verkehr am Walther-Schreiber-Platz abzuleiten. Das muss schon am Innsbrucker Platz passieren – damit die Autos auf die Westtangente fahren. Diese bietet ja eine schnelle Verbindung, wird von den Autofahrern aber noch nicht genug gesehen – im Sinne des Wortes. Denn wer über die Hauptstraße auf den Innsbrucker Platz fährt, sieht die Rheinstraße und die Schloßstraße als Verlängerung und direkte Gerade. Man kommt gar nicht auf die Idee, links auf die Westtangente zu fahren. Deshalb sollte die Hinweisführung verbessert werden.

Interview: Cay Dobberke

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