Zeitung Heute : Chancen im Ballungsraum Elektromobilität könnte 2014 einen Schub erfahren

Gernot Lobenberg

Die Elektromobilität kommt doch. Entgegen aller Bedenken wurden seit Anfang des Jahres rund 60 Prozent mehr Elektro- und Hybridautos in Deutschland zugelassen als im Vorjahr. Vor allem in großen Ballungsräumen wie Berlin-Brandenburg wird die Elektromobilität als Teil von Smart-City-Projekten stark an Bedeutung gewinnen. Die Auszeichnung der Region zum internationalen Schaufenster der Elektromobilität, mehr als 150 Projekte in der Stadt wie auch die Zusammenarbeit der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO mit über 200 namhaften Wirtschaftsunternehmen bestätigen den Aufwärtstrend.

Erst vor wenigen Tagen beklagte sich BMW-Konzernchef Norbert Reithofer öffentlich über die „German Angst“ gegenüber der Elektromobilität und warb für das neue BMW Elektrofahrzeug i3. Die skeptische Einstellung ist unbegründet. Seit Anfang 2013 wurden rund 1500 Elektroautos und knapp 8000 Hybridautos in Deutschland zugelassen. Das sind 60 Prozent mehr, als in den ersten vier Monaten des Vorjahrs.

Vor allem in Großstädten ist dieser Trend sichtbar. Bereits jetzt werden in Berlin und Brandenburg mehr als 150 Projekte zum Thema Elektromobilität vorbereitet, umgesetzt oder sind schon abgeschlossen. In der Hauptstadt, die mit mehr als 220 öffentlich zugänglichen Ladepunkten über eine sehr gute Infrastruktur verfügt, sind heute rund 1200 Elektrofahrzeuge auf der Straße – Tendenz steigend.

Die Anforderungen an die Mobilität ändern sich. Da knapp die Hälfte der Berliner Haushalte keinen eigenen PKW besitzt, sind Carsharing-Angebote immer gefragter. Die Hauptstadt ist mit 15 Carsharing-Anbietern und über 2000 Fahrzeugen, von denen bereits 20 Prozent Elektroautos sind, führend in Europa. Die Vorstellung von „Mobility-as-a-service“, Mobilität als Dienstleistung, setzt sich durch.

Seit April 2012 ist Berlin-Brandenburg internationales Schaufenster der Elektromobilität. Ziel des von der Bundesregierung und den Bundesländern mit 100 Millionen geförderten Projekts ist es, die Hauptstadtregion zu einem weltweit sichtbaren Standort für die elektromobile Entwicklung, Erprobung und Anwendung zu machen. Hier soll die gesamte Wertschöpfungskette der Elektromobilität von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zur Anwendung und Ausbildung abgebildet werden.

Das Thema „Vernetzung“ spielt im Schaufenster eine zentrale Rolle. Verkehrsangebote wie ÖPNV oder Carsharing sollen optimal aufeinander abgestimmt und mit einem intelligenten Stromnetz, das vor allem aus Brandenburger Windkraftanlagen versorgt wird, verbunden werden. Brandenburg ist bereits heute führend in der nachhaltigen Energieproduktion und übertrifft die Zielsetzungen der Bundesregierung deutlich. In Zukunft wird von hier immer mehr „grüner“ Strom kommen. Die Elektromobilität ist somit auch für die Energiewende ein wichtiger Baustein.

Durch 32 Kernprojekte und weitere assoziierte Projekte wird die Elektromobilität für Berliner und Besucher im Rahmen des Schaufensters bis zum Jahr 2015 erlebbar. Einige Kernprojekte konnten bereits starten. So plant die Deutsche Bahn die Anschaffung weiterer 250 Elektro- Pkws zur Erweiterung ihres stationsungebundenen Carsharing-Angebots in Berlin. Zudem soll deren Einbindung in das Energiesystem getestet werden. In fast allen Projekten soll das Zusammenspiel von Erzeugung, Netzmanagement, Speicherung und Verbrauch durch Elektrofahrzeuge anschaulich visualisiert werden. Zwischen dem südwestlichen Umland und Steglitz ist ein Pedelec-Korridor geplant, der Pendler dazu motivieren soll, auf Elektro-Fahrräder umzusteigen. Mittels einer „Mobilitätskarte“ oder Smartphone-App sollen die verschiedenen Mobilitätsangebote vernetzt werden. Damit einher geht die Erweiterung der öffentlich zugänglichen Ladestationen auf bis zu 800 bis Ende 2015, für die das Land Berlin derzeit die planerischen und genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen schafft.

Weiterer Schwerpunkt sind Tests zur Umsetzung neuer Logistikkonzepte für den innerstädtischen Liefer- und Entsorgungsverkehr durch den Einsatz von e-Nutzfahrzeugen wie beispielsweise Liefer-LKWs oder Fahrzeuge der Müllabfuhr. So sollen die Umweltvorteile des leisen und abgasfreien Elektroantriebs genutzt werden, um diesen zeitlich zu entzerren und in dichtbesiedelten Wohngebieten umweltverträglich abzuwickeln.

Die Berliner Agentur für Elektromobilität eMO arbeitet mit 250 Projektpartnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an der Umsetzung der Schaufensterprojekte. Die beiden Bundesländer, rund 200 große und mittelständische Unternehmen, 30 F&E- und Bildungseinrichtungen und 20 Kammern und Verbände bilden ein starkes Netzwerk für die Elektromobilität. Berlin zieht als Metropole nicht nur Touristen an, auch die größten Automobilhersteller der Welt erklären sich gerne bereit, am internationalen Schaufenster für Elektromobilität in Berlin-Brandenburg mitzuwirken und die Zukunft zu gestalten.

Denn Elektromobilität ist und bleibt ein Zukunftsthema. Während sich 2013 noch Vieles in Vorbereitung befindet, wird im Jahr 2014 mit neuen Modellen verschiedener Hersteller ein regelrechter „Elektromobilitätsschub“ erwartet. Es ist an der Zeit zu erkennen, dass nicht die Probleme sondern die Chancen beim Thema Elektromobilität weit überwiegen! Gernot Lobenberg

Der Autor ist Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO. Diese ist eine Agentur des Landes Berlin und wird getragen von der Berlin Partner GmbH sowie der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH. Partner sind das Land Brandenburg, die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (uvb) sowie Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft und Wissenschaft.

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