Zeitung Heute : "Chaos Communication Congress": Drei Tage und Nächte Dauerhacken in Berlin

Kurt Sagatz

An Themen mangelt es dem 17. "Chaos Communication Congress", der unter dem dem Titel "17C3" von Mittwoch bis Freitag in Berlin im Haus am Köllnischen Park stattfindet, nicht. Schließlich hatten die Angriffe auf prominente E-Commerce-Server zu Beginn des Jahres sowie der E-Mail-Virus "I love you" und auch die Wahl des Sprechers des Chaos Computer Clubs, Andy Müller-Maguhn, in den Vorstand der Internet-Organisation ICANN im Herbst die "bösen und guten Hacker" zahlreiche Male in die Schlagzeilen katapultiert.

Auf dem offiziellen Programm der Hackertagung stehen zwar andere Themen wie "Informationstechnologie-Computersicherheit", "Internet", "Kryptographie". Aber die Ergänzung "kritisch-schöpferischer Umgang mit Technologie" lässt genügend Raum für jene anderen Themen, die nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die meisten Mitglieder des CCC weitaus mehr interessieren dürften. So hat sich der Kongress seit seiner Premiere im Jahr 1984 als "die europäische Hackerparty" etabliert, wie der Club auf seiner Homepage unter www.ccc.de selbstbewusst feststellt.

Die Zahl der Besucher ist seit dem Umzug des Kongresses von Hamburg nach Berlin vor drei Jahren ständig gestiegen. Rund 2500 Interessierte zählten die Veranstalter im letzten Jahr und auch für dieses Jahr wird zumindest mit einem gleich großen Andrang gerechnet. Bereits seit Tagen sind die Arbeitsplätze für Computeranlagen ausgebucht, obwohl auf den 1000 Quadratmetern des Veranstaltungsortes Platz für immerhin 1000 Systeme vorgehalten wird. Mit ein wenig Glück findet sich jedoch noch ein Plätzchen für einen Laptop, um die Veranstaltung nicht nur theoretisch, sondern auch am praktischen Beispiel erleben zu können.

Zu den inoffiziellen Tagungsordnungspunkten im Hackcenter steht traditionell zu Beginn jedes Kongresses das gegenseitige Beschnuppern. Das freilich szenetypisch auf elektronischem Wege erfolgt, in dem man untereinander die Sicherheitseinrichtungen der mitgebrachten Rechner einer kritischen Prüfung unterzieht. Entweder hat man sich dafür zuvor mit entsprechenden Programmen aus dem Internet versorgt oder man lässt selbst geschriebene Hackertools auf das auf 34 Megabit aufgebohrte Kongress-Netz im Haus am Köllnischen Park los. In der Vergangenheit ist dabei schon dem einen oder anderen Besucher des Hackcenters der Elan durchgegangen, wenn nicht nur die intern angeschlossenen Rechner gehackt wurden, sondern gleich noch ein Teil des Internets auf Löcher im Sicherheitssystem überprüft wurde.

Aus Sicht der Veranstalter sind solche Ereignisse aber eher Randerscheinungen. Hacken nach CCC-Manier habe schließlich wenig mit Viren-Schreiben oder Einbrüchen in Rechnersysteme zu tun, sondern viel mit Informationsfreiheit und einem Anspruch auf selbstbestimmtes Handeln", hatte Andy Müller-Maguhn im Vorfeld des Kongresses gegenüber dem Online-Magazin Telepolis verkündet. So gehe es neben allem Spaß beim kreativen Umgang mit dem Computer vor allem auch darum, "professionell Wissen zu vermitteln und Raum für Diskussionen über die techno-soziale Entwicklung zu bieten", wie der ICANN-Direktor ergänzte. Hierzu bieten die zahlreichen Informationsveranstaltungen auf dem Kongress reichlich Gelegenheit, deren mitunter abstrakte Thematik sich unter anderem mit dem Internet-Protokoll und seiner weiteren Entwicklung oder der "Telekommunikationsüberwachung nach TKG" beschäftigt.

Ein anderes, weit verbreitetes Vorurteil besagt indes, Computer und somit auch die intensive Auseinandersetzung mit der Informationstechnologie sei reine Männersache. Dem ist zumindest auf dem "17C3"-Kongress nicht so, wie die weiblichen Veranstaltungsteilnehmer meinen, die sich unter www.haecksen.org vorstellen und sich mit dem Häcksencenter einen eigenen Bereich gesichert haben. Haecksen-Action ohne den schlechten Geruch des Hackcenters und weniger Skriptkiddies mit vorgefertigten Tools seien die wichtigsten Unterschiede zu den männlichen Hackern, so Margot, Nina, Steffi und Doro, die sich keineswegs als Emanzen verstehen.

Ebenso selbstbewusst wie die Veranstalter sind allerdings auch die Eintrittspreise: Die Tageskarte kostet 30 Mark, ermäßigt 20 Mark, die Dauerkarte 60 (40) Mark. Dafür haben Kinder unter 12 Jahren freien Eintritt.

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