Zeitung Heute : Charité ist gegen Privatisierung

Der Tagesspiegel

Die Charité wehrt sich gegen Vorschläge, das Bettenhochhaus in Mitte zu privatisieren. „Das Hochhaus ist das ökonomischste unserer Gebäude und macht Gewinn“, sagte der ärztliche Direktor der Charité, Manfred Dietel, am Montag abend bei einem Besuch von CDU-Parlamentariern in dem Uniklinikum. Die Umwidmung des Bettenhochhauses in Mitte ist Teil eines Konzeptes der Berliner CDU-Fraktion zur Rettung des FU-Klinikums Benjamin Franklin.

Die Expertenkommission, die derzeit im Auftrag des Senates über die Zukunft der Berliner Hochschulmedizin berät, wird neben dem FU-Klinikum auch die Charité nach Sparmöglichkeiten durchforsten. Der Verwaltungsdirektor der Charité, Bernhard Motzkus, könnte sich im Gegensatz zum ärztlichen Direktor Dietel durchaus vorstellen, die Stationen des Hochhauses in einen Neubau zu verlegen und dann das alte Gebäude in ein Hotel umzuwandeln. Dietel hält das für Unfug. „Das Bettenhaus wurde als chirurgisches Zentrum konzipiert. Da kann man kein Hotel draus machen.“

Dietel setzt auf die Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus. Die Armeeärzte wollen aus ihrem maroden Gebäude an der Scharnweberstraße in ein Uniklinikum umziehen – auch wegen der medizinischen Forschung. Denen will Dietel einen Teil des Bettenhochhauses überlassen. „Die Bundeswehr will einen Neubau auf unserem Gelände, doch das brauchen wir selbst.“ Statt dessen soll die Investitionssumme von 100 Millionen Euro, die vom Verteidigungsminister für ein neues Bundeswehrkrankenhaus zugesagt seien, in die Sanierung des Bettenhauses fließen. Außerdem profitierte die Charité davon, dass der Stellenplan aufgestockt würde und die Bundeswehr einen Teil der Verwaltungskosten übernähme.

Die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU, Monika Grütters, hält nichts von dieser Idee. „Falls das Benjamin Franklin doch seinen Status als Uniklinikum verliert, sollen die hochschulmedizinischen Bereiche der FU in die Charité. Wenn die Bundeswehr ins Hochhaus einzieht, wäre dort kein Platz mehr für die FU-Mediziner.“

Doch die Charité braucht Zuschüsse, um das Bettenhochhaus grundlegend zu sanieren. 66 Millionen Euro seien dafür nötig, sagte Dietel. Nach dem Hochschulbauförderungsgesetz übernehme der Bund davon 50 Prozent. Doch schon jetzt läuft im Bettenhaus ein umfangreiches Renovierungsprogramm. Von den 27 Stationen des Hauses sind bereits neun „auf hohem Niveau“ renoviert. Dafür stünden jährlich rund 2,5 Millionen Euro aus dem Instandhaltungstopf der Charité zur Verfügung. Deshalb sieht Dietel auch keinen großen Zeitdruck für die Grundsanierung. „Wir können die nächsten zehn Jahre durchaus so weitermachen.“ Doch dann sei die Sanierung dringend nötig. Trotzdem brauche das Uniklinikum schon jetzt eine verbindliche Zusage des Landes, um eine langfristige Planungssicherheit zu erhalten.

Ingo Bach

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