Zeitung Heute : „Charité und Franklin-Klinikum unter ein Dach“

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Die Schließung der Medizin an der Freien Universität ist vorerst vertagt worden. Jetzt berät eine Expertenkommission, wie man Geld in der Berliner Hochschulmedizin sparen kann. Haben Sie schon mit den Fachleuten gesprochen?

Die Kommission hat meines Wissens einmal getagt. Bisher sind die Vertreter der beiden medizinischen Fakultäten nicht geladen worden. Am 14. März sollen die Vertreter der Hochschulmedizin gehört werden.

Ist denn die Charité nicht wieder auf dem Prüfstand? Muss sie jetzt nicht auch mit Einsparungen rechnen?

Auch wenn der eigentliche Koalitionsbeschluss, die Schließung der Hochschulmedizin an der Freien Universität, durchgeführt worden wäre, hä tte die Charité nicht als strahlender Sieger dagestanden. Auch dies hätte zu beträchtlichen strukturellen Änderungen bei uns geführt. Damals war die Charité nicht in Gefahr, jetzt ist sie es - so einfach hat das hier niemand gesehen. Wir waren uns immer im Klaren, dass es Kollateralschäden an der Charité geben würde.

Wie könnte es denn weitergehen in der Berliner Hochschulmedizin?

Wir müssen uns über einen Punkt klarwerden: der Regierende Bürgermeister will 98 Millionen Euro in der Berliner Hochschulmedizin sparen. Diese Aussage hat Wowereit immer wieder bekräftigt. Wie kann eine Hochschulmedizin in Berlin mit einem Staatszuschuss überleben, der im Jahre 2006 nur noch 150 Millionen Euro betragen wird, Tariferhöhungen und Inflation noch gar nicht berücksichtigt?

Das heißt, die Berliner Hochschulmedizin schrumpft um mindestens 40 Prozent?

In etwa, ja. So aber lassen sich zwei Medizinfakultäten nicht aufrechterhalten. Das heißt: Man muss unter diesen Bedingungen hinnehmen, im Jahr 2006 nur noch eine Medizinfakultät und ein Uniklinikum zu haben.

Sie wollen beide Fakultäten vereinigen?

Ja - allerdings unter dem Dach einer Universität, nicht als unabhängige Medizinische Hochschule. Es ist wichtig, dass die Medizin in der Hochschule bleibt.

An welcher Uni soll die Medizin bleiben?

Die Zusammenführung sollte an der Humboldt-Universität erfolgen. Und das nicht nur, weil ich hier Dekan bin, sondern vor allem aus inhaltlichen und historischen Gründen. Aber nicht so, dass die Charité unverändert bleibt und nur ein paar Kollegen aus Steglitz dazukommen.

Das wäre ja der heftig umstrittene Plan Ihres Verwaltungsdirektors Motzkus -

So kann die Lösung nicht aussehen. Unser Ziel muss es sein, eine exzellente Hochschulmedizin in Berlin zu erhalten. Deshalb muss es neben dem Zusammenführen auch eine Begutachtung geben. Und dann muss natürlich berücksichtigt werden, dass bis zum Jahr 2006 noch etwas Zeit ist. Da kann man schon eine entsprechende Berufungspolitik betreiben. Einige Probleme werden sich mit der Zeit selbst lösen.

Welche Standorte der Berliner Hochschulmedizin sollten denn erhalten bleiben?

Ich plädiere dafür, beide Standorte der Charité zu erhalten. Unser Beitrag muss in Strukturänderungen bestehen.

Jeder Chefarzt ist doch stolz auf sein kleines Reich, und wenn jetzt so ein Chefarzt aus Steglitz emigrieren muss nach Wedding oder Mitte, dann wird man ihn dort, in den anderen kleinen Reichen, kaum mit offenen Armen empfangen!

Das ist eine der wesentlichen Funktionen, die auch die Fakultätsleitung hier erfüllen muss: Die Zusammenführung so zu gestalten, dass es keine Sieger und Besiegten gibt, sondern dass alles unter Gleichberechtigten geschieht. Auch die Fusion von Virchow und Charité lief nicht komplikationslos, das gebe ich durchaus zu. Aber im Grunde hat es uns beide beträchtlich gestärkt.

Ist denn Ihr Vorschlag mit Verantwortlichen an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität abgesprochen, haben Sie ihn schon diskutiert?

Dieser Vorschlag ist am Dienstag im Klinikumsvorstand besprochen worden und wird heute, am Mittwochnachmittag, dem Fakultätsrat der Charite vorgelegt. Mit der Freien Universität ist er nicht abgesprochen.

Aber der Präsident der Humboldt-Universität weiß Bescheid?

Er weiß um die Überlegungen.

Haben Sie denn schon mit der Regierung gesprochen?

Nein.

Das Interview führte Hartmut Wewetzer.

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