Zeitung Heute : Charly und die 4500 Klatschpappen

70 bis 100 Helfer sind vor und nach einem Spiel im Einsatz, damit die Volleys in der Schmeling-Halle auftreten können.

Den mühsamsten Job hat der Mann, der sich in Charly verwandelt. Charly ist der beliebteste Typ, der durch die Halle geht, jeder jubelt ihm zu, jeder freut sich mit ihm, Charly animiert Fans zum Klatschen und zum Jubeln, Charly ist selbst der größte Fan der BR Volleys. Charly ist ihr Maskottchen. Ein Tiger mit Watschelgang, mannshoch.

Aber man muss erst ins Kostüm schlüpfen, erst dann kann man den Vorturner spielen. Drei Mann wechseln sich ab in der Rolle von Charly, einer ist jeweils am Spieltag im Einsatz. Die drei sind Teil einer 70 bis 100-köpfigen Gruppe. Ohne sie könnte kein Heimspiel der BR Volleys stattfinden.

Seit dem Umzug in die Schmeling-Halle muss Chef-Organisator Matthias Klee in ganz neuen Kategorien denken. Es geht schon mit den Eintrittskarten los. Drei bis fünf Mitarbeiter sitzen an der Kasse, an der hinterlegte Tickets abgeholt werden können. Dann der Vip-Bereich, dort, wo Ehrengäste, Spieler und Sponsoren sitzen. Diese Personen werden besonders betreut, auch dafür stehen Mitarbeiter bereit, zusätzlich zum professionellen Catering-Service. Die Garderobe muss besetzt werden, der Getränkestand auch.

Das Spielfeld ist ein weiterer, der sportlich wichtigste Einsatzort. Klee muss technisches Personal vorhalten, Leute, die eingreifen, wenn das Netz reißt oder in einem Ball zu wenig Luft ist. Dazu Balljungen und -mädchen sowie Leute fürs Schiedsgericht und zur Betreuung des Live-Tickers. Und irgendjemand muss auch 4500 Sitzplätze abschreiten und auf jedem Platz eine Klatschpappe deponieren. Danach wiederholt sich die Prozedur, nur bleiben diesmal Knicklichter auf den Plätzen liegen. Die leuchten, wenn die Halle abgedunkelt ist. Es gibt Mitarbeiter, die sich um die Videowand kümmern, die Filme vorbereiten, die sich um die Musik kümmern. Zwei Moderatoren sind pro Spiel im Einsatz, insgesamt besteht der Moderatorenstab aus drei Personen.

Die Moderatoren kündigen zum Beispiel die Cheerleader an, die „Potsdam Diablos“, die seit Jahren vom Verein engagiert wird. Im Hintergrund, an einem bestimmten Eingang der Schmeling-Halle, stehen Mitarbeiter, um die Schiedsrichter, die Spieler und die Journalisten zu empfangen. Der Medienbereich muss ja auch personell abgedeckt werden.

Selbst die Spieler sind im Einsatz. Sie bauen vor einer Partie die Werbebanden auf. Den Abbau übernimmt dann ehrenamtliches Personal. Die Helfer sind nach einem Spiel, das um 19.30 Uhr beginnt, bis weit nach Mitternacht im Einsatz, erst dann ist alles weggeräumt. Der Aufbau dauert erheblich länger. „Insgesamt gesehen sind die Mitarbeiter dabei einen ganzen Tag im Einsatz“, sagt Klee.

Er hat Routine, er lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Nur ausgerechnet an diesem Samstag, vor dem ersten Play-Off-Heimspiel, ist er ein bisschen unruhiger als sonst. Denn am Freitag hatte noch ein Konzert in der Schmeling-Halle stattgefunden, die Spielfläche war also bis Freitagnacht belegt. Und für Klee und sein Mitarbeiter bedeutete das enormen Stress: Normalerweise beginnen die Aufbauarbeiten zwei Tage vor dem Spiel. Frank Bachner

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