Zeitung Heute : Charme und Tradition

Berliner Publikumsmagnet mit einer Verjüngungskur fit für die Zukunft gemacht.

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Im Juni 2006 wird sich das Forum Steglitz neu präsentieren. Über 40 Millionen Euro investiert die britische Immobiliengesellschaft Hammerson derzeit in die Modernisierung des Berliner Shoppingcenters. Centermanager Heiner Hutmacher erzählt, worauf der derzeitige Umbau abzielt und was die „Nummer 1“ auf der Schloßstraße seinen Kunden bieten wird.

Herr Hutmacher, Ende Mai ist der Startschuss für die Modernisierung des Forum Steglitz gefallen. Wie laufen die Umbauarbeiten?

So fristgerecht, dass die Bauarbeiter freitags um 14 Uhr Feierabend machen können. Im August werden wir erste Flächen im Untergeschoss übergeben.

Trotz Umbau bleibt das Forum Steglitz weiterhin geöffnet?

Ja, wir bauen in verschiedenen Phasen um. Zum Teil wird das Center an eine Baustelle erinnern, aber für die Kunden bleibt es selbstverständlich weiterhin sicher und auch sauber.

Wie ist ein Umbau bei laufendem Betrieb überhaupt zu schaffen?

Wir haben einen Plan entwickelt, mit dem der Umbau in der Rekordzeit von dreizehn Monaten möglich ist. Die schnelle Modernisierung war für uns entscheidend, weil das Forum Steglitz mit über 40 Prozent Stammkunden eine extrem starke Kundenbindung hat, die es zu schützen gilt.

Die Besucher können dem Baubetrieb über die Schulter schauen. Wie einst bei der Info-Box auf dem Potsdamer Platz?

Ja. Ende Juni wird im Eingangsbereich des Centers eine Forum-Box eingerichtet. Dort kann man Einblicke in Geschichte und künftige Entwicklung des Centers gewinnen. Zudem wird ein Mitarbeiter Fragen beantworten wie auch Beschwerden und Wünsche entgegennehmen.

Worauf kommt es bei einem modernen Shoppingcenter an?

Es muß a) hell, b) sicher und c) sauber sein und dabei stets freundlich. Diese „Drei plus eins“-Formel mag abgedroschen klingen, trifft aber den Punkt. Denn wenn sie das schaffen, haben sie ein schönes Produkt, womit sich die Kunden identifizieren können.

Heute fällt gern der Begriff Mehrwert. Was heißt das für Sie?

Der Mehrwert des Forum Steglitz ist sicher die Historie. Dadurch, dass diese Institution über Generationen hinweg den Kunden vertraut ist, ist das Forum zum Markennamen geworden und auch eines der wenigen Berliner Shoppingcenter, das über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist. Der Mehrwert kommt aber auch daher, dass wir viele alteingesessene Familienbetriebe haben. Zudem steht das Forum für eine einmalige Kompetenz bei Lebensmitteln.

Der traditionsreiche Bornmarkt wird künftig im Untergeschoss sein. Was wird sich noch ändern?

Es wird keine Verkaufsstände mehr geben, sondern einzelne Ladengeschäfte. Darunter werden auch offene Kioskbereiche sein. Die stehen jedoch nur Mietern zur Verfügung, von denen keine Gerüche ausgehen. Damit berücksichtigen wir das veränderte Hygieneempfinden.

Die Kunden werden in der Lebensmittelabteilung also nicht auf Vertrautes verzichten müssen?

Künftig wird der Bornmarkt ein strukturierteres Angebot bieten und um einen Supermarkt und einen Biomarkt ergänzt werden.

Wie lässt sich der Mix des Forum Steglitz beschreiben? Verraten Sie schon Namen von neuen Mietern?

Rossmann wird als Spezialist für Drogerieartikel hinzukommen. Wir werden zudem verstärkte Kompetenzen bei der Unterhaltungselektronik, Gastronomie und im Textilbereich bieten.

Welche gastronomischen Einrichtungen wird es geben?

Ein Eiscafé italienischer Prägung. Zudem wird die Familie Marweld, die schon lange bei uns Mieter ist, neben einer Bar ein Caféhaus betreiben.

Wie sieht es mit Imbissmöglichkeiten aus?

Für jeden Geschmack – von Nudeln bis zum türkischen oder asiatischen Imbiss – wird etwas dabei sein. Wir werden auch Tellergerichte anbieten.

War das nicht schon immer so?

Nicht in diesem Stil. Das Forum wurde vor allem aufgesucht, um die Zutaten für den Mittagstisch einzukaufen, aber nicht um ihn dort auch zu essen. Das werden die Leute in Zukunft mögen, hier zu verweilen und auch zu essen.

Wie steht es mit den Besucherfrequenzen?

Täglich kommen 20 000 Besucher. Nach dem Umbau rechnen wir mit zusätzlichen 25 Prozent.

In den letzten Jahren eröffneten in Berlin diverse neue Shoppingcenter. Wie verkraftet das Forum die Konkurrenz?

Gut. Bei einer Kundenbefragung zu den Einkaufsstätten mit dem größten Potenzial in Berlin waren wir im letzten Jahr auf Platz zwei. Das Forum Steglitz ist in ganz Berlin bekannt und eine Institution mit Wachstumspotenzial.

Die Modernisierung wird auch eine bessere Erschließung des Gebäudes beinhalten. Wie kann man sich das vorstellen?

An drei weiteren Stellen wird das Gebäude nach dem Umbau geöffnet sein. Wenn Sie dann vorne an der Schloßstraße die Tür aufmachen, werden Sie bis zum letzten Mieter durch das Center schauen können. Selbst in die hinteren Bereiche fällt Tageslicht.

Wie sieht die Parkplatzsituation aus? Wird sich etwas ändern?

Auf jeden Fall. Wir bleiben zwar mit dem Parkhaus an Ort und Stelle, werden aber die Befahrungsflächen sanieren und ausglätten. Es wird farbige Markierungen geben.

Im fünften Stock des Forums wird ein Ärztezentrum eingerichtet.

Zwölf Ärzte mit unterschiedlichen Fachrichtungen werden dort einziehen. Das hat den Vorteil für die Patienten, dass sie innerhalb des Hauses verwiesen werden können. Günstig ist das aber auch hinsichtlich der Warte- und Behandlungszeit. Bei kleinen Eingriffen kann der Partner in der Zeit ins Kino gehen oder etwas besorgen.

Welche Rolle spielt das Forum Steglitz für die Schloßstraße?

Die Schloßstraße funktioniert am besten, wenn sie von starken Mietern, einem guten Angebot sowie einer guten Infrastruktur geprägt ist. Wenn dieses Haus funktioniert, funktionieren auch die kleineren Läden besser.

Auch der Bezirk Steglitz hat sich verändert. Wird beim Umbau darauf Rücksicht genommen?

Sicher. Steglitz ist davon geprägt, dass hier viele ältere Menschen wohnen. Es gibt aber auch viele Familien. Die wollen wir mit unserer zukünftigen Ausrichtung verstärkt ansprechen.

Was gefällt Ihnen persönlich an der Schloßstraße?

Man ist hier in einer Großstadt und doch nicht anonym. Die Steglitzer haben noch ein wenig Zeit für sich und für andere. Das spürt man vor allem auf der Schloßstraße. Mit Heiner Hutmacher sprach Nora Sobich

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