Zeitung Heute : Checkpoint Charly: Randlage in der City

Harald Olkus

Der ehemalige Wachturm der DDR-Grenztruppen am einstigen innerstädtischen Grenzübergang Checkpoint Charlie ist zwar kürzlich abgerissen worden. Dafür hat man aber ein amerikanisches Wachhäuschen samt Sandsäcken wieder aus der Versenkung hervorgeholt und auf die Friedrichstraße gestellt - schließlich war es einst der einzige Übergang für ausländische Reisende in Berlin. Souvenirverkäufer stehen am Straßenrand und auf den Bürgersteigen tummeln sich Touristen. "Die Gegend belebt sich", sagt Ralf Wedler, zuständig für die Bürovermietung bei FPD Savills. Lange Zeit hatte die Friedrichstraße südlich der Leipziger Straße verglichen mit dem Abschnitt rund um das Quartier 206 ein Schattendasein geführt. Und auch die Zimmer- und ihre Querstraßen blieben trotz Citylage verdächtig ruhig. Doch neuerdings steigt die Nachfrage nach Büroflächen an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg allem Anschein nach.

Die Checkpoint Arkaden an der Friedrichstraße / Ecke Zimmerstraße sind nach einiger Anlaufzeit gut vermietet. Die 50 000 Quadratmeter Gewerbeflächen im kürzlich fertig gestellten Charlotten Carree zwischen Koch- und Zimmerstraße seien bereits zu 85 Prozent vergeben, sagt eine Mitarbeiterin der madra Immobilien Marketing GmbH, die den Vertrieb des Gebäudekomplexes übernommen hat. Hauptsächlich Großmieter, wie die Viktoria Versicherung und der Springer-Konzern seien dort eingezogen, zu Mieten zwischen 30 und 31 Mark 50 pro Quadratmeter.

Auch im Quartier Schützenstraße, dem auffällig bunten Gebäudekomplex aus zwölf Häusern, entworfen vom verstorbenen Star-Architekten Aldo Rossi, habe sich der Leerstand mittlerweile verringert, sagt Ralf Wedler. Rund um die Kochstraße seien hochwertige Immobilien für relativ günstige Preise zu haben. Wer nicht unbedingt die Friedrichstraße als Adresse haben muss, kann für 28 bis 32 Mark pro Quadratmeter eine Neubaufläche mieten. "Und das unweit des Gendarmenmarktes", sagt sein Kollege Martin Puchmayr.

An der südlichen Friedrichstraße muss mit Preisen um die 45 Mark gerechnet werden. Eine Reihe von Botschaften sowie die Telekom als Großmieter haben sich dort eingemietet. Und das Mosse Zentrum entwickle sich allmählich zum Medienstandort. Die Gegend habe mittel- und langfristig sehr gute Entwicklungschancen, sagt Puchmayr.

Das hat auch verschiedene Bauträger ermutigt, ihre Projekte zu verwirklichen. So rechnet die madra noch im Frühjahr mit der Baugenehmigung für ihren geplanten Komplex aus Wohn- und Geschäftshäusern an der Kochstraße auf dem ehemaligen Ullstein-Parkplatz. 40 000 Quadratmeter Bürofläche und 35 000 Quadratmeter Wohnfläche sollen in dem U-förmig angelegten Gebäudekomplex mit einem Park in der Mitte entstehen. Die einzelnen Häuser werden von insgesamt vier Architekten unterschiedlich gestaltet.

Auch der Springer-Konzern baut gegenüber ein Bürohaus auf der Fläche seines früheren Druckereigebäudes. Auf den zwei Brachflächen direkt am Checkpoint Charlie sollen ebenfalls noch in diesem Jahr die Baugruben ausgehoben werden. Nach dem Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs von 1993 werden nach Plänen von David Childs und Jürgen Engel zwei Bürohäuser mit Läden und Restaurants aus Stahl und Glas gebaut. Zwischen Juni und September soll mit den Arbeiten begonnen werden, die eigentlich schon im vergangenen Jahr abgeschlossen sein sollten. Investor Abraham Rosenthal, bereits Bauherr des Philip Johnson Hauses, des gegenüber liegenden Bürohauses Friedrichstraße 50 und des dahinter liegenden Wohngebäudes, hat mit der Errichtung der noch ausstehenden Teile des Ensembles lange gewartet. Doch derzeit steigen die Preise wieder und die Nachfrage nach Büroflächen in der City werde auch weiterhin anhalten, sagt Möller.

Gleichzeitig habe die Produktion von Gewerbeflächen in bester Lage abgenommen. Es gebe zwar noch eine Reihe von Projekten in der Gegend, doch die würden erst später fertig. "Wenn wir mit unseren rund 30 000 Quadratmetern im Jahr 2003 bis 2004 fertig sind, ist auf dem Markt nicht mehr allzu viel da", ist sich Möller sicher. So sicher, dass die Gebäude ohne Vorvermietung errichtet werden. Allerdings sei noch nicht entschieden, ob die Checkpoint Charlie KG noch einen Partner mit ins Boot holen werde. Die Friedrichstraße sei durchaus ein Standort, an dem man unter Umständen wieder ohne Vorvermietung bauen könne, sagt Rolf Scheffler von Aengevelt Research.

Die aktuelle Marktsituation sei sicherlich nicht schlecht. "Wir befinden uns derzeit in einer Aufschwungphase. Doch Stagnation oder sogar ein Abschwung ist möglich", sagt Scheffler. Die südliche Friedrichstraße sei ein Übergangsbereich, bei dem es sehr auf die Wettbewerbsobjekte in der Nachbarschaft ankomme. Zwar haben die Makler bereits die ersten Schwierigkeiten, größere zusammenhängende Flächen in der City anzubieten. Dennoch sei das kleinteilige Flächenpotenzial noch erheblich und am Leipziger und Potsdamer Platz kämen noch große Flächen auf den Markt. "Die Nachfrage ist zwar gut", meint Scheffler. "Aber ist sie so gut, dass alles absorbiert wird?"

Im Jahr 2000 seien in der City und im Bezirk Mitte rund 300 000 Quadratmeter Gewerbeflächen fertig gestellt worden, einiges allerdings von Eigennutzern. Davon seien 23 Prozent noch nicht vermietet. Der Leerstand habe sich also noch nicht entscheidend reduziert. Scheffler geht von einem guten Entwicklungspotenzial des Standortes Checkpoint Charlie aus. Doch es sei fraglich, ob der Zeitpunkt bereits erreicht ist.

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