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Im heißen Spätsommer blüht immer weniger im Garten – doch die Dahlien bleiben noch eine Weile.

Dorothée Waechter

Wenn sich der Sommer seinem Höhepunkt nähert, wird das Staudenbeet kahler. Zwar blühen noch einige Schönheiten wie Sonnenhut (Rudbeckia) und Mädchenauge (Coreopsis), aber selten ist das vergleichbar mit der Farbenpracht, die sich zum Anfang des Sommers gezeigt hat. Die Pflanze, die jetzt Eintönigkeit verhindert, ist die Dahlie in ihren vielen verschiedenen Farben.

Es war Alexander von Humboldt, der die Pflanzen 1804 als Samen aus Südamerika mitbrachte und an den Botanischen Garten in Berlin schickte. Bereits einige Jahre zuvor war das Pflanzenmaterial nach Spanien gelangt, wo die Pflanze zu Ehren des schwedischen Botanikers Anders Dahl den Namen „Dahlia“ erhielt. Rasch entdeckte man das Potenzial der Entdeckung. Die Pflanze wurde wegen ihrer Formenvielfalt und intensiven Farben geschätzt. „Nur die blaue Farbe fehlt im Spektrum der Dahlie“, sagt Herta Simon, die die Dahlienschau im Britzer Garten in Berlin gestaltet.

Die verschiedenen Sorten der Dahlie werden zwischen 40 und 120 Zentimeter hoch. Sie gehört zu der Familie der Korbblütler – sie hat in der Mitte gerollte Einzelblüten und am äußeren Rand Strahlenblüten, die gemeinsam einen Art Korb bilden. Dahlien neigen dazu, dass die Blütenblätter an den Längsrändern ganz oder teilweise verwachsen, was besondere Effekte hervorruft.

„Angelehnt an die in Großbritannien übliche Klassifizierung unterscheidet man 13 Klassen“, erläutert Bettina Verbeek, Geschäftsführerin der Deutschen Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen-Gesellschaft (DDFGG) in Geldern (Nordrhein-Westfalen). Zu den bekanntesten gehören die Einfachblühenden, Ball-, Pompon- und Kaktus-Dahlien. Die wohl größte Gruppe innerhalb der Klassifizierung bilden die Dekorativen Dahlien, die auch als Schmuckdahlien bekannt sind. Sie sind dicht gefüllt, aber die einzelnen Blütenblätter sind flach.

„Dahlien mit ihren Knollen sind langlebig, allerdings in unseren Breiten nicht winterhart“, sagt Gärtnermeisterin Verbeek. Sie gelten aber als pflegeleichte Gartenblumen. „Das Dahlienjahr beginnt Ende April mit der Pflanzung.“ Zwar würden viele Gärtner die Pflanzen wegen ihrer mangelnden Winterhärte erst nach den Eisheiligen Mitte Mai setzen, aber die Expertin erläutert, dass dies unnötig sei. Die Triebe durchbrechen in den ersten 14 Tagen nach der Pflanzung kaum die Bodenoberfläche und so sei ein natürlicher Frostschutz vorhanden.

„Wer allerdings Schnecken hat, treibt die Knollen zunächst vier bis sechs Wochen in Töpfen vor und pflanzt sie anschließend aus“, empfiehlt Verbeek. So wachsen die Pflanzen geschützt heran. An sonnigen Plätzen auf nährstoffreichen Gartenböden entwickeln sich Dahlien grundsätzlich am besten.

Fachleute diskutieren, ob Dahlien am besten unter sich bleiben sollten. Diplomgärtnerin Herta Simon hat ein praktisches Gegenargument für Hobbygärtner: „Das ist sicher schön, aber im Hausgarten gar nicht machbar.“ Stattdessen füllen Dahlien gerade in die Lücken im Beet gut, die Frühsommerblüher wie Türkenmohn (Papaver orientale) und Rittersporn (Delphinium) hinterlassen. „Für solche Stellen bieten die Dahlien eine hervorragende Lösung.“

Simon bevorzugt die Kombination mit einjährigen oder mehrjährigen Gräsern, weil sie zur Auflockerung der kompakten Dahlienpflanzen beitragen. „Ähnliches bewirken Sommerblumen wie die ebenfalls aus den sonnigen Regionen Mittel- und Südamerikas stammenden Zinnien, Kosmeen, Salvien und Verbenen.“ Da die blaue Farbe im Spektrum der Dahlien fehlt, passt der so blühende Eisenhut, Rittersporn und Sommersalbei ebenfalls gut zu den Herbstblumen. Im September öffnen schließlich auch zahlreiche Astern ihre Blüten. „Pflanzt man Dahlien für sich allein, dann ist es am besten, sie in kleinen Gruppen zu pflanzen“, empfiehlt Simon. Die Farbwirkung erhöhe sich dadurch sichtbar.

Hornspäne oder gut verrotteter Kompost versorgen die Pflanzen mit Nährstoffen. Von mineralischen Düngern mit hohem Stickstoffanteil rät Verbeek ab. Und nur bei anhaltender Trockenheit sollte man gießen. „Haben die höheren Sorten eine Höhe von etwa sechzig Zentimeter erreicht, müssen sie locker angebunden werden.“ Diese Maßnahme verhindere, dass die Dahlien bei Stürmen oder im Starkregen umfallen.

Während der Blüte sollten die welken Köpfe regelmäßig abgeschnitten werden – so bilden sich immer wieder neue Knospen, bis der erste Frost im Herbst die Blätter absterben lässt. Die Stiele sollten dann abgeschnitten und die Knollen ausgegraben werden, um sie frostfrei, aber möglichst kühl zu lagern. „Hierfür eignet sich eine isolierte Garage oder ein kühler Keller“, erläutert Bettina Verbeek. Wichtig ist, dass sie dort nicht vertrocknen. Gelegentlich sollte man die Knollen im Winterlager auch auf Fäulnis kontrollieren. (dpa)

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