Zeitung Heute : Chefs: Warum der Präsident nicht alles darf

Ingo Bach

Eigentlich hat der Bundespräsident gar nicht so viel zu sagen. Er darf mit Reden die anderen ermahnen, muss Gesetze unterschreiben und im Ausland anderen Präsidenten die Hand schütteln.

Dass wir unserem Präsidenten so wenig erlauben, liegt an den schlechten Erfahrungen, die unsere Urgroßeltern gemacht haben. Vor 80 Jahren versuchten sie es schon einmal mit einem Präsidenten, aber der hatte viel mehr Macht als heute. Eines Tages holte er einen Diktator an die Spitze Deutschlands: Adolf Hitler. Als der alte Präsident gestorben war, konnte der Diktator machen, was er wollte. Keiner konnte ihn kontrollieren. Zum Schluss brachte er viele Menschen um und fing einen schlimmen Krieg an, denn niemand durfte sagen: "Hör auf!"

Vor dem Dikator und dem Präsidenten hatten die Deutschen einen Kaiser. Als es noch Ritter gab, war der Kaiser zwar ein mächtiger Mann. Aber es gab in Deutschland auch viele Fürsten. Die herrschten über ihre Landkreise und passten auf, dass der Kaiser nicht zu viel bestimmte, sonst wären sie selbst ja weniger mächtig gewesen. Deshalb gab es ständig Streitereien und viele Kriege.

Lange vor den Rittern, zu der Zeit, als der Gallier Asterix gegen die Römer kämpfte, lebten in Deutschland die Germanen. Die hatten auch Anführer. Das waren Stammeshäuptlinge - wie bei den Indianern. Aber die stritten sich andauernd mit den Häuptlingen der Nachbarstämme Deshalb gab es auch bei ihnen oft Krieg.

Die Deutschen haben also fast alle Chefs schon mal ausprobiert - und immer gab es Kriege. Mit dem Bundespräsidenten hat es am besten funktioniert: Seit 60 Jahren hatten wir keinen Krieg mehr. Und es ist auch keiner in Sicht.

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