Zeitung Heute : Chinesisch genießen

Brigitte Grunert

Wie ein Rentner die Stadt erleben kann

Marzahn, das war doch dort, wo es ewig so fürchterlich stank, dass selbst wir Landkinder uns im Zug bis Lichtenberg die Nasen zuhielten. „Das sind die Rieselfelder“, bemerkte dann die Mutter vielsagend. Den Nutzen dieser Felder, auf denen vielerorts am Stadtrand die Abwässer Berlins verrieselten, konnten wir uns nicht recht vorstellen. Lange her, die Rieselfelder verschwanden, 1976 wurde dort die größte Neubausiedlung der DDR errichtet. Unsereiner vergisst natürlich weder die üblen Gerüche noch die langen Güterzüge mit den Fertigbauteilen, ach ja, und auch nicht das üble „Zigeunerlager Marzahn“ der Nazis, von dem wir als kleine Kinder vage reden hörten.

Neulich waren die Rentnerin und der Pensionär erstmals im Erholungspark Marzahn, es war ein strahlender Frühlingstag, die Luft voller Blütenduft. Da denkt man höchstens einen Moment an solch alte Geschichten. Es ist ja so viel zu bestaunen und zu genießen. Man erlebt auch die reinste Völkerwanderung. Schon am Bahnhof Lichtenberg fielen fünf als historische Chinesinnen verkleidete Mädchen auf. Im Chinesischen Garten posierten sie hingebungsvoll und fotografierten sich gegenseitig.

Diesen „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ haben Chinesen angelegt, Pagoden und ein Teehaus gebaut. Dann legten Japaner den Japanischen Garten an, Südkoreaner den Seouler Garten, ein Geschenk der Stadt Seoul. Es gibt einen Balinesischen Garten und einen Orientalischen Garten, dessen vier Wasserläufe die vier Ströme des Paradieses symbolisieren, von denen im Alten Testament und im Koran die Rede ist. Alle diese Gärten haben ihren Stil und geben Einblicke in die Gartenkunst anderer Kulturen. Doch damit nicht genug. Im Juni soll ein Hecken-Irrgarten eröffnet werden, 2008 sollen ein Italienischer Renaissancegarten und ein Karl-Foerster-Staudengarten folgen.

Erholungspark Marzahn, Eisenacher Str. 99, 12685 Berlin, Tel. 700906-699, geöffnet täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit.

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