Zeitung Heute : Christiane Parke aus Eiche bei Berlin betreibt ihren eigenen Outdoor-Laden im Netz

Kurt Sagatz

Unter den Schülern der 13. Klasse des Gymnasiums in Eiche nordöstlich von Berlin wird wie in jeder Abiturklasse verständlicherweise häufig über die Frage geredet, welchen Weg man nach dem Schulabschluß gehen soll, ob nun zur Uni oder in eine Ausbildung. Darüber könnte Christiane Parke eigentlich leise lächeln, wenn sie wollte. Doch das ist nicht die Art der ruhigen 19-jährigen, die seit Anfang des Jahres neben ihrer Schule noch einer zweiten Beschäftigung als Geschäftsführerin eines eigenen Internetshops für Outdoor-Artikel nachgeht. Auch wenn sie kein großes Aufheben um ihre geschäftlichen Aktivitäten macht, ist es gleichwohl kein Wunder, dass sie häufig in überraschte Gesichter blickt, wenn sie von ihren Zukunftsplänen erzählt, denn ihr Online-Geschäft will sie auch nach dem Abitur und parallel zum geplanten Studium der Wirtschaftsinformatik weiter betreiben.

Die Idee zum Schritt in die Selbstständigkeit kam Christiane während ihrer einjährigen Zeit als Austauschschülerin an einer Highschool in Newcastle, Wyoming. Dort gehört der Umgang mit den neuen Medium zum selbstverständlichen Schulalltag. Ein großer Teil der Unterrichtsmaterialien stammt aus dem Internet und die Kinder lernen direkt nach der Einschulung, wie man im Internet nicht nur surft, sondern zielgerichtet sucht und findet.

Erste Erfahrungen im Elternhaus

So wurde es auch für Christiane Parke, die bereits zuvor im Elternhaus Erfahrungen mit dem PC gesammelt hat, ganz natürlich, an den Rechnern der Schulbücherei zu recherchieren oder in der Pause per Internet schnell eine Mail nach Hause zu senden.

Während sich das Interesse für das Internet erst während ihres Auslandsaufenthaltes richtig entwickelte, brachte sie die Leidenschaft für das Kraxeln - die der Shopseite www.kraxel.com den Namen gab - bereits mit. Anfangs mit den Eltern im Elbsandstein-Gebirge, später auch allein wurde Bergwandern zu ihrem Hobby, dem sie in den Ferien in Bayern und Österreich nachging und das sie in den Staaten fortsetzen konnte, denn von Newcastle ist es nicht weit zu den Rocky Mountains.

Zurück in Deutschland fand sie in ihren Eltern die richtige Unterstützung für ihre Geschäftsidee. Im Gegensatz zu vielen jungen Unternehmensgründern machte sie dabei nicht den Fehler, alles allein bewältigen zu wollen. Für Bereiche, über die sie zwangsläufig nicht Bescheid wusste, holte sie sich Rat und Unterstützung von Partnern. So findet die Programmierung der Webseite und der Shoplösung genauso extern statt wie das Marketing. Für Christiane bleibt gleichwohl genug zu tun, denn für die Inhalte des Internet-Angebotes ist sie allein zuständig. Täglich zwei bis drei Stunden sind nötig, um Produktbilder auszuwählen und die entsprechenden Infotexte zu verfassen oder zu überarbeiten.

Um sich gegenüber den großen Wettbewerbern abzusetzen, müssen kleinere Online-Shops zudem durch Extra-Service glänzen. So ist einiges zu tun, um per E-Mail oder Mailingliste mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und diese über Produktneuheiten oder interessante Touren zu informieren. Dafür muss sie sich freilich erst einmal selbst informieren, wobei sich die Hersteller von Zelten, Campingkochern, GPS-Geräten oder Pulsmessern inzwischen auf die Bedürfnisse des Online-Handels eingestellt haben und die Shopbetreiber mit elektronischen Unterlagen unterstützen.

Moderner Familienbetrieb

Ein wenig erinnert der Webshop Kraxel.com an einen traditionellen Familienbetrieb. Ohne ihren "Papa", der ihr zwar nicht die Arbeit abnimmt, sie aber mit seinem Wissen berät und sie auch ansonsten zur Selbstständigkeit ermuntert, hätte Christiane den Weg zur Geschäftsführerin eines eigenen Internet-Shops vielleicht nicht geschafft. Auch die Unterstützung ihrer Schwester Constanze, ohne die der Versand der Outdoor-Artikel nicht so reibungslos funktionieren würde, hilft ihr beim Spagat zwischen Schule und Geschäft, denn trotz aller Bewunderung, die ihre Mitschüler vielleicht für ihren Mut empfinden, muss sie die gleichen Leistungen erbringen und wird sie genauso in organischer Chemie geprüft wie ihre Altersgenossen. Und auch im Geschäftsleben gibt es keinen "Jugendbonus", wenn beispielsweise mit den Produktanbietern um möglichst günstige Preise gestritten wird.

Im Internet sind zwar die Zutrittsbarrieren niedriger, dafür aber ist auch die Gefahr des Scheiterns größer. Um so beachtlicher sind die Ziele, die sich Christiane selbst gesteckt hat. Mit ihrem Sortiment von rund 2000 Produkten will sie bereits im nächsten Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Der Umsatz soll dann vor allem durch eine Verstärkung der Marketing-Aktivitäten in den Millionen-Bereich vorstoßen - und das knapp nach dem Abitur.

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