Zeitung Heute : Christiane Peitz

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Dieses Buch bestellen — Richard Powers: Der Klang der Zeit. Roman. Aus d. Amerikanischen v. Manfred Allié u. Gabriele Kempf-Allié. S.Fischer, Frankfurt a. M. 2004, 765 S., 22,90 €

Jeder Satz eine Kammermusik, jedes Kapitel eine Symphonie, ein Madrigal, eine Jam-Session, große Oper. Vatermutterkinder finden keinen Platz im Amerika des 20. Jahrhunderts und singen dagegen an. Ein jüdisch-schwarzes Familiendrama, ein grandios polyphoner Historienroman. Und das Kostbarste ist die Musik in Powers’ Worten.

Dieses Buch bestellen — Linn Ullmann: Gnade. Roman. Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Droemer, München 2004. 160 S., 14,90 €

Ein Buch für eine schlaflose Nacht. Über einen, der stirbt, nach einem belanglosen, würdelosen Leben. Über die Liebe und das Recht auf Würde im Tod. Ein verzweifelter, sterbenstrauriger Roman. Und doch ein Vergnügen, denn Linn Ullmann, Tochter von Ingmar Bergman und Liv Ullmann, steht diesem Mann zur Seite, mit einer stillen, gütigen, herzensklugen Sprache.

Dieses Buch bestellen — Gertrude Stein: Geld. Aus dem Amerikanischen von Michael Mundhenk. Friedenauer Presse, Berlin 2004. 24 Seiten, 9,50 €

„Es ist leicht die Reichen loszuwerden aber es ist nicht leicht die Armen loszuwerden. Wo immer sie es versucht haben da sind sie die Reichen tatsächlich losgeworden und dann ist jeder arm.“ Verflixt einfach, wie Gertrude Stein 1936 die Crux des Kapitalismus beschrieb. Warum klingt das bei Eichel und Co. immer so kompliziert?

Dieses Buch bestellen — Michael Martin: Die Wüsten der Erde. Frederking & Thaler, München 2004. 372 S., 50 €

Wer einmal in der Wüste war, weiß, warum Wüstenbilder kitschig sind. Weil sie etwas Überwältigendes festhalten wollen, Landschaften wie nicht von dieser Welt. Das Wüstengefühl kann keine Kamera erfassen. Aber für reisesehnsüchtige Daheimbleiber sind Martins Aufnahmen die ideale Ersatzdroge.

Dieses Buch bestellen — Jutta Limbach (Hg.): Das schönste deutsche Wort. Max Hueber, Ismaning 2005. 157 S., 19,95 €

Hartz IV? Nix da, es gibt schönere Wörter. Wonneproppen zum Beispiel oder Dösbaddel, Kinkerlitzchen, Doppelhaushälfte, Nachtviölken, akkomodabel, Lesesessel, Himmelszelt, Plaudertasche, Rhabarbermarmelade. Das Buch zum Wettbewerb des Deutschen Sprachrats und des Goethe-Instituts ist ein prima Lexikon gegen den Sprachsparzwang.

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