Christine Haderthauer : Frau ohne Eigenschaften

Die CSU steht in den Umfragen schlecht da. In solchen Fällen sind Generalsekretäre wichtig - Christine Haderthauer aber findet nicht in ihre Rolle. Die Gefahr, Bauernopfer zu werden, steigt damit.

Mirko Weber[München]
Haderthauer
Keine Marke: Christine Haderthauer lächelt stets und ist gut gekleidet - dafür befriedigt sie die Sehnsucht ihrer Partei nach...Foto: dpa

Die Geschichte mit dem Maibaum hat nur auf den ersten Blick rein gar nichts mit Christine Haderthauer zu tun. Vordergründig geht es um eine Episode aus dem Leben von Markus Söder, ehemals Generalsekretär der CSU, also Christine Haderthauers Amtsvorgänger.

Söder, der sich gerne als „Außenminister der CSU“ gab, hatte als Schmuck für die Bayerische Vertretung in Brüssel einen Maibaum bestellt. Als Beitrag zur Bavarisierung der Stadt Brüssel gewissermaßen. Leider wurde der Baum noch vor dem Transport im Chiemgau geklaut. Söder hätte blamiert sein können, doch er war obenauf. Er spendete 500 Euro plus Brotzeit als Auslöse und stand da als Mannsbild wie aus dem bayerischen Bilderbuch. Er zog damit mehr Aufmerksamkeit auf sich und die Partei als Christine Haderthauer in ihrer bisherigen Amtszeit. Und die dauert immerhin schon seit Ende Oktober 2007.


Christine Haderthauer, 45 Jahre alt, Rechtsanwältin, hat es schwer in ihrer Partei. Sie wird öffentlich kaum wahrgenommen. Und ihr fehlt ein Thema. Und wenn ihre Partei mal eines anbietet wie nun die umstrittenen Pläne zur Steuerreform missraten Haderthauer die Auftritte, wie am Montag im Morgenmagazin des ZDF. Was die Generalsekretärin denn wetten würde, dass die CSU-Reform tatsächlich komme, fragt der Moderator. Christine Haderthauer zögert, überlegt, sucht nach einer Antwort, jeder andere halbwegs fixe Politiker hätte jetzt eine lustigeWette angeboten. Vielleicht, dass sie auf der Wiesn kellnern würde, falls wider Erwarten die CSU mit ihrer Idee doch nicht … Dann hätte sie wenigstens noch einen allseits beachteten Auftritt für sich herausgeschlagen. Aber nein: Schließlich sagt sie, es sei ja nicht wichtig, was sie persönlich einsetzen würde. Sie sagt: „Wir müssen insgesamt entlasten und nicht immer auf Kosten einer anderen Gruppe.“


Es ist halt eine Antwort. Das Gegenteil von 500 Euro plus Brotzeit als Gegenwert für einen gestohlenen Maibaum.


Gleichwohl hat Horst Seehofer die Generalsekretärin erst am Wochenende beim Nominierungsparteitag der CSU für die Landtagswahlen in Ingolstadt- Neuburg hochgelobt. Sie sei die „Aufsteigerin der deutschen Politik“, ein „Aushängeschild“ und überhaupt „das Beste, was wir haben.“ Argwöhnte man nicht, dass Seehofer stets den Dolch im Gewande trägt, wenn er lobt, müsste man schaudern vor Ehrfurcht.


Christine Haderthauer hingegen fehlt die Aura der Hintertriebenheit, die es in einem Männerladen wie der CSU braucht, um dauerhaft an der Spitze zu stehen. Sie wirkt, trotz Offensivlächeln und einer Präsentation wie frisch aus der Schachtel, häufiger, als sei momentan doch alles ein bisschen viel für sie: mit zwei älteren Herren, die sich irgendwie durchwursteln – Huber und Beckstein –, und einer Partei, deren Umfragewerte sich penetrant unterhalb der absoluten Mehrheit einpendeln.


Zum Wochenende hatte Christine Haderthauer die Diagnose parat, es handle sich „um Momentaufnahmen von Stimmungen“. Das klang etwas weniger schönfärberisch als im üblichen Gesundbeterdeutsch, das die Parteiräson gebietet. Prompt korrigierte der Vorsitzende der CSU- Landtagsfraktion Georg Schmid die Kollegin, indem er gewohnt machomäßig äußerte, die CSU habe „bald wieder 50  Prozent plus x“.


Sieht man etwas genauer hin, muss man sagen, dass Christine Haderthauer als Erfindung von Erwin Huber zwar anfänglich mit Löwenmut an ihre Aufgabe herangetreten ist, sich dann aber schnell im täglichen Klein-Klein verfranzt hat. Es kann gut sein, dass die meisten Kreisverbände jetzt wissen, wie Christine Haderthauer mit den Leuten umgeht, nämlich relativ offen und unverkrampft. Deutlicher im Gedächtnis geblieben ist aber, wie sie sich ausgerechnet von einem Altvorderen, Wilfried Scharnagl, ehemals Apologet von Franz Josef Strauß, schurigeln lassen musste. Das war bei der letzten Klausurtagung. Christine Haderthauer benutzt gerne Power-Amerikanismen. Scharnagl ließ sie wissen, dass die CSU Deutsch beziehungsweise Bayrisch rede, weil man verstanden werden wolle. Das hat gesessen.


Haderthauer ist Gast in den einschlägigen Fernsehgesprächsrunden, aber zu selten, um als Stimme ihrer Partei wahrgenommen zu werden. Sie hat es bisher nicht geschafft, dass die CSU sich angemessen von ihr repräsentiert fühlt. Auch das hat mit den Männern zu tun, denn wenn die Kerle intern nicht aufmachen, kann sich die Generalsekretärin noch so abschuften: Am Ende wächst die nostalgische Sehnsucht nach den Originalen. Erwin Huber und Günther Beckstein haben ähnliche Probleme, was die Sache für Haderthauer nicht einfacher macht. Die Gefahr, Bauernopfer zu werden, steigt.


Der Ministerpräsident hat zuletzt im kleineren Kreis schon einmal angedeutet, was passieren wird, sollten die Zahlen für die CSU am 28. September tatsächlich unter 50 Prozent liegen. Er fuhr sich da mit der flachen Hand sehr schnell längs über die eigene Kehle.

 

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