CHRISTLICHER FLÜCHTLINGSPFARRER : „Wir appellieren an Europa“

Foto: Katharina Eglau
Foto: Katharina EglauFoto: Katharina Eglau, Winterfeldtstr.

Was bedeutet das Blutbad in der Kathedrale für die Lage der Christen im Irak?

Das ist die schlimmste Katastrophe für uns seit der amerikanischen Invasion. So etwas hat es noch nie gegeben in unserer Heimat. Es gibt keine Sicherheit, keine stabile Regierung und keinen Schutz für Christen im Irak.

Mehr als zwei Drittel aller Christen sind bereits aus Mesopotamien geflohen. Werden die Übrigen jetzt auch aufgeben?

Ich fürchte ja. Jede Woche kommen neue Flüchtlinge in Jordanien und Syrien an. Ich rechne damit, dass die Zahl rapide zunehmen wird. Dabei lieben wir Christen den Irak und wollen bleiben. Denn unsere Heimat ist auch die Heimat von Abraham, dem Urvater von Judentum, Christentum und Islam.

Letzte Woche ging in Rom die Sondersynode über die Kirchen des Orients zu Ende. Ist dieser Überfall die Antwort von Al Qaida?

Die Synode hat an die muslimische Welt appelliert, wir wollen mit euch zusammenleben. Die Geiselnahme war jetzt eine total brutale Antwort – wir verstehen das alles nicht mehr.

Was können Deutschland und Europa tun?

Wir appellieren eindringlich an Europa, macht eure Türen nicht zu, nehmt mehr Flüchtlinge auf. Ich wende mich vor allen auch an Deutschland. Wir haben keine andere Wahl mehr, als in der Fremde weiterzuleben.

Raymond Moussalli (44) stammt aus Mossul im Norden des Irak. Der chaldäische Geistliche hat in Syrien und Rom studiert und leitet die irakisch-christliche Flüchtlingspfarrei in der jordanischen Hauptstadt Amman. Mit ihm sprach

Martin Gehlen.

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