Zeitung Heute : Christoph Schlingensief, Regisseur

Befragt von Beatrix Schnippenkoetter

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WAS ICH MAG

1. Beim Aufwachen: Die Hoffnung, dass ich die

Motten in meinem Schlafzimmer besiegt habe.

2. Zu Hause: Die Hoffnung, irgendwann eine große, helle Wohnung mit weitem Blick zu haben.

3. Im Theater: Die Hoffnung, dass das alles mal zu

großen Parkhäusern umfunktioniert wird.

4. An der katholischen Kirche: Die Penetranz der

sonntäglichen Inszenierung.

5. An Ostern: Das Finden der Vorjahreseier

6. Am Papst: Die vorgelebte Unsterblichkeit trotz

Parkinson, Lungenentzündung und Altersstarrsinn.

7. An meinen Eltern: Die permanente

Weiterentwicklung von Altersbeschwerden.

8. Ein Satz, den ich gerne öfter hören würde: „Schily sagt, dass er die Neonaziszene unterschätzt hat.“

WAS ICH NICHT MAG

1. Beim Aufwachen: Die Erkenntnis, dass die Motten in meinem Schlafzimmer nicht aufgegeben haben.

2. Zu Hause: Meinen Vater, der mich gnadenlos um 7Uhr 30 aus dem Bett wirft.

3. Im Theater: Schauspieler.

4. An Kultursenator Thomas Flierl: Seinen Chef.

5. An der katholischen Kirche: Die viel zu bequemen Beichtstühle.

6. Am Papst: Dieser wehleidige, pathetische, undeutliche Ton.

7. An meinen Eltern: Ihre Androhung, mein Erbe einer Rehaklinik zu stiften.

8. An Deutschland: Die Freude, wenn das Ausland einen mal lobt, und der BDI dann von Erfolg spricht.

9. Und sonst...: ...bis jetzt kinderlos zu sein.

10. Ein Satz, den ich nie wieder hören möchte: „Ich übernehme die volle politische Verantwortung.“

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