Zeitung Heute : Chronik der Gefühle: Und was haben Sie gekauft?

Christine-Felice Röhrs

Dienstagmorgen. Daniel Melker im Schreibwarenladen in der Torstraße. Gekauft: eine Kladde für 4 Euro.

Daniels Kladde ist dick und rot. Ein bisschen wie Daniel selbst. Der ist etwa 1 Meter 80 und gebaut wie ein Rugbyspieler. Die Haare sind feuerrot. Über die Kladde hat Daniel lange nachgedacht. Ob es nicht nur Spinnerei ist. Ob er es durchhalten wird, sie immer mit sich herumzutragen. Oder ob er sich in drei Wochen ärgert, dass er 4 Euro dafür ausgegeben hat. Daniel, 25, Medizin-Student, ist eben ein sparsamer Typ. Aber die Kladde soll Daniels Leben aufnehmen, und dafür lohnen sich 4 Euro doch. Daniel hat nämlich ein Gedächtnis wie ein Sieb. "Ich könnte mich nicht erinnern, was ich am Dienstag vor einer Woche getan habe", sagt er. Und deshalb will er jetzt jeden Abend ein paar Notizen machen, wie der Tag verlaufen ist. Damit er seine "Jugend nicht vergisst". Stichworte nur. Wie: Mensa mit Norbert, Bergstübl mit Imke, Skifahren gebucht. Ein Tagebuch also? Aber das hört Daniel nicht gerne. Das Wort klingt ihm zu altmodisch, als sei er ein ... naja, ein komischer Kerl eben. "Es ist doch nur eine Kladde", sagt er verlegen. (Und jetzt muss er sowieso los.)

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