Zeitung Heute : Chronik der Gefühle

Quincy Jones, während Ihrer gesamten Kindheit und den Jahrzehnten Ihres musikalischen Erfolgs hat Ihre Mutter Sie schlecht gemacht und auch so behandelt. Wie schwer war das für Sie, als Sie jetzt Ihre Autobiografie "Q" geschrieben haben, wieder an sie zu denken, sich mit ihr zu beschäftigen?

Tödlich. Manche Stellen im Buch kann ich mir immer noch nicht angucken. Zu einem bestimmten Zeitpunkt war ich damit zufrieden zu sagen: Ich weiß nicht, was eine Mutter ist, also brauche ich auch keine. Wenn man bestimmte Sachen ausblendet, so heißt es, dann deshalb, weil da ein Trauma unter der Oberfläche brodelt. Als die Frau, die früher nebenan wohnte, mir erzählte: "Da haben wir Ihre Mutter in die Zwangsjacke gesteckt..." - das ist schon verdammt schmerzhaft.

Auszug aus einem Gespräch mit Quincy Jones in der Oktober-Ausgabe der US-Zeitschrift "Talk". Jones, 1933 in Chicago geboren, gilt als erfolgreichster Musikproduzent der Welt. Als Jazztrompeter spielte er mit Lionel Hampton und Billie Holiday, komponierte Soundtracks ("The Heat of the Night", "Color Purple") und begleitete u.a. Frank Sinatra und Michael Jackson als Produzent.

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