CHRONIK : Missbrauchsskandal in der Kirche

28. Januar 2010:

Erstmals wird öffentlich bekannt, dass der Rektor des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, Pater Klaus Mertes, rund 500 Schüler der Abiturjahrgänge 1975 bis 1983 über Missbrauchsfälle informiert hat.

6. Februar: Laut „Spiegel“ wurde in der katholischen Kirche in Deutschland seit 1995 gegen 97 Priester und Laien wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt.

8. Februar: Papst Benedikt XVI. verurteilt sexuellen Missbrauch von

Kindern durch Priester.

16. Februar: Der Augsburger Bischof Walter Mixa führt den Missbrauch

auch auf eine zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Lebens seit

1968 zurück.

22. Februar: Die Bischöfe entschuldigen sich bei ihrer Frühjahrsvollversammlung wegen der Missbrauchsfälle.

23. Februar: Nach dem von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) geäußerten Vorwurf der mangelnden Rechtstreue der Kirche fordert die Bischofskonferenz ultimativ eine Korrektur.

25. Februar: Die Bischofskonferenz beruft den Trierer Bischof Stephan Ackermann zum Sonderbeauftragten für Missbrauchsfälle.

7. März: Die Justizministerin fordert einen Runden Tisch zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Die Kirche wehrt sich gegen die Einseitigkeit.

12. März: Das Erzbischöfliche Ordinariat in München bestätigt Berichte, wonach in der Amtszeit von Erzbischof Josef Ratzinger (1977 bis 1982) ein wegen Kindesmissbrauchs vorbelasteter Priester in der Gemeindearbeit der Diözese eingesetzt wurde.

17. März: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert eine intensive Aufklärung aller Missbrauchsfälle an Schulen und in kirchlichen Einrichtungen.

24. März: Das Bundeskabinett beruft die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) als Missbrauchsbeauftragte und beschließt die Einsetzung eines Runden Tisches, an dem nicht nicht nur die Fälle in der Kirche verhandelt werden.

31. März: Prügelvorwürfe gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa werden bekannt. Der dementiert, erklärt aber, dass er als Stadtpfarrer „die eine oder andere Watsch’n“ gegeben haben könnte. Mixa bietet später dem Papst seinen Rücktritt an, der willigt ein.

23. April: Der Runde Tisch tritt erstmals zusammen.

27. Mai: Die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens, Ursula Raue, legt ihren Abschlussbericht vor. Danach hat der Orden sexuelle und körperliche Gewalt gegen Kinder über Jahrzehnte vertuscht und die Täter gedeckt.

15. Juli: Der Vatikan verschärft die kirchlichen Strafnormen zur Ahndung sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. So beträgt die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch nun 20 Jahre.

9. August: Bergmann plädiert für einen Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer. Kirchliche und weltliche Einrichtungen sollen Vorschläge erarbeiten.

3. Dezember: Die Münchner Erzdiözese legt ihren Abschlussbericht vor. Demnach haben sich von 1945 bis 2009 159 Priester sexueller Übergriffe an Minderjährigen schuldig gemacht.

20. Dezember: Papst Benedikt XVI. stellt die Erschütterung der Kirche durch den Missbrauchsskandal in den Mittelpunkt seines Jahresrückblicks und ruft zu einer Erneuerung der katholischen Kirche auf. KNA

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