Zeitung Heute : Chronologie der Georg Kargs Stiftung

Katrin Werner

Georg Karg, Eigentümer der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, gründete 1953 die "Hertie-Familienstiftung". Ziel waren die Sicherung des Vermögens und eine solide Führung des Unternehmens. Dazu brachte er 98 Prozent der Geschäftsanteile in die Stiftung ein. Nach Einführung der Erbersatzsteuer in den 70er Jahren und der dadurch drohenden Schwächung des Stiftungsvermögens, errichteten die Karg-Erben 1974 die "Gemeinnützige Hertie-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Erziehung, Volks- und Berufsbildung" mit Sitz in Frankfurt am Main. Die wohltätige, von der Steuer befreite Stiftung erhielt 97,5 Prozent des Hertie-Kapitals. Nur 0,5 Prozent behielt die steuerpflichtige Familienstiftung, zugleich aber den alleinigen Einfluss auf die Führung des Handelskonzerns. 1993 verkauften die Stiftungen ihre Hertie-Anteile an die KarstadtAktiengesellschaft. Den Erlös, rund 1,6 Mrd. DM, stellte die gemeinnützige Stiftung der privaten Hertie-Stiftung als partiarisches Darlehen zur Verfügung. Bei diesem Kredittyp beteiligt der Darlehensnehmer seinen Gläubiger an den Gewinnen aus der Anlage des übertragenen Kapitals. Im vorliegenden Fall sagte die Familienstiftung der gemeinnützigen Stiftung 37,5 Prozent von allen Erträgen ihrer Unternehmungen zu. Im selben Jahr erwarb die Familienstiftung mit dem Darlehen einen Anteil von 30 Prozent an der Karstadt-AG. Der gemeinnützigen Stiftung spendete sie rund acht Mill. DM jährlich, das entsprach einer Kapitalverzinsung von 0,5 Prozent. 1998 übernahm der Handelskonzern Schickedanz die Karstadt-Anteile der Familienstiftung. Seither ging die private Stiftung keine Unternehmensbeteiligung mehr ein. Den Vertrag über das partiarische Darlehen will der Vorstand aufheben. Neue Geschäftsführer sollen das "operative Geschäft" besorgen: das Kapital zu marktgerechten Renditen anlegen, um damit die wohltätigen Ziele der Stiftung angemessen vertreten zu können.

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