Zeitung Heute : Ciao, das Strichmännchen

Wir präsentieren die WM-Maskottchen von einst und heute. Diesmal: das Strichmännchen, das italienische Designerträume wahr werden ließ. Ciao lässt Gianna Nannini noch einmal erklingen.

-

Mag sein, dass die Erinnerung verklärt. Aber Ciao war und ist bis heute das beste WM-Maskottchen aller Zeiten. Nicht nur, dass einen beim Anblick des spindeldürren Kerlchens Gianna Nanninis „Un Estate Italiana“ beglückt. Wenn man die Augen schließt, läuft Andi Brehme in Zeitlupe in der Nacht von Rom zum Elfmeter an und versenkt das Ding ein ums andere Mal im linken unteren Toreck. Doch auch sonst konnte das in den Farben der italienischen Nationalflagge gehaltene Strichmännchen überzeugen. Nach den furchtbaren Kollegen aus den 80er Jahren endlich mal kein debiles Grinsen, keine Frucht- oder Gemüseadaptionen oder dümmliche Kleidungsstücke. Ciao ist Ästhetik in Reinkultur. Schlichte Formen, klare Linien. Und als Kopf: ein Ball. Mehr darf man von einem Maskottchen nicht erwarten. Zum Glück eignete es sich zudem nicht als Verkleidung für jobbende Studenten, die auch bei glühender Mittagshitze am Spielfeldrand unter einem Fellknäuel versteckt darben müssen. Dezente Einblendungen bei den Grafiken oder im Fernsehtrailer – zu mehr war Ciao nicht zu gebrauchen. Vielleicht macht ihn dies gerade heute in den Zeiten des Goleo-Wahnsinns so sympathisch. Und wenn man ganz ehrlich ist, irgendwie hat Ciao doch eine kleine Ähnlichkeit mit Andi Brehme, beim Elfmeter in der Nacht von Rom. Irgendwie. Nicht wahr?

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar