CLASSIC INDIEROCKSteve Wynn : Ich brauche keine Millionen

Wenn es im Popbusiness einen zufriedenen Loser geben sollte, ist das mit Sicherheit Steve Wynn. Im Alter von 50 Jahren sind für den grundsympathischen Kalifornier längst alle Karrierezüge abgefahren. Ein Star wird aus ihm nimmermehr. Nicht, dass er es jemals drauf angelegt hätte: In den Achtzigern blieb er mit seiner bahnbrechenden Wüstenrock-Combo Dream Syndicate ebenso im kommerziellen Abseits wie mit Danny & Dusty, dem knarztrockenen Gelegenheits-Duo mit Dan Stewart, Chef der anderen wegweisenden Wüstenrock- Band Green On Red. In den Neunzigern floppte er mit der Indierock-Superband Gutterball spektakulär und mit diversen Soloalben unauffällig – Steve Wynns Schaffen ist eben nicht nur von einer unbedingten Leidenschaft gekennzeichnet, sondern auch von einer Sturheit und Veränderungsresistenz, die ihn schwer vermarktbar macht.

Ein geschickter PR-Stratege hätte den schnörkellosen Gitarrenrock, den Wynn seit gut zehn Jahren mit seinen famosen Miracle 3 zusammenbrettert, sicher in das Indie-Gitarren-Revival rund um Strokes, Libertines und Arctic Monkeys einordnenen und einem größeren Publikum schmackhaft machen können – wenn es so etwas wie PR-Strategen in der Welt des Steve Wynn geben würde. Gibt es aber nicht. Weshalb er vermutlich wieder vor ein-, zweihundert Wissenden auftreten wird, die sich am fantastischen Zusammenspiel zwischen Wynn und seinen kongenialen Partnern an Gitarre und Bass, Jason Victor und Dave DeCastro, sowie vor allem am unwiderstehlichen Drive seiner Gemahlin und Schlagzeugerin Linda Pitmon ergötzen dürfen. Das beseelte Lächeln eines glücklichen Musikers gibt es gratis obendrauf.Jörg Wunder

Privatclub, Di 8.2., 21 Uhr, 18 €

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