CLASSIC ROCKJoe Cocker vs. Meat Loaf : Die Stimmgewaltigen

Sie gehören zu den Letzten ihrer Art. Joe Cocker (links) und Meat Loaf (rechts) sind Dinosaurier des Rock. Und zwar von jener Spezies, die sich nicht durch herausragendes Songwritertalent auszeichnet, sondern deren Ruhm von der Kraft ihrer fulminanten Stimmen herrührt. Beide sind begnadete Schreihälse, die auch eine akustisch unvorteilhafte Riesenhalle wie die O2 World zum Beben bringen können. Und für beide hatte der Weg zum Weltstar einen entscheidenden Moment. So landete der gelernte Gasinstallateur Joe Cocker mit der Beatles-Coverversion „With A Little Help From My Friends“ zwar schon 1968 einen europaweiten Hit, doch erst sein umjubelter Auftritt vor über 400 000 Zuschauern beim Woodstock-Festival gab der Karriere entscheidenden Schub. Wobei nicht nur seine unverkennbare Reibeisenröhre ins kollektive Popgedächtnis einging, sondern auch seine den Gesang begleitenden Armbewegungen, die im Grunde vorwegnahmen, was man heute „Luftgitarre“ nennt.

Völlig anders gelagert als Cockers Bluesgegurgel ist der orgiastische Kreischgesang von Meat Loaf. Der texanische Polizistensohn Marvin Lee Aday musste sich erst von seinem saufenden, prügelnden Vater emanzipieren, ehe er unter dem die eigene Körperfülle ironisierenden Alias Erfahrungen als Musiker und Kleinkunstdarsteller sammelte. Nach dem Auftritt in der Kinofassung der „Rocky Horror Picture Show“ gelang ihm 1977 mit der gigantomanischen Rockoper „Bat out of Hell“ auf Anhieb eines der meistverkauften Alben aller Zeiten. Von diesem Erfolg zehrt Meat Loaf bis heute und beweist damit, dass ein genialer Funke ausreicht, um eine Weltkarriere darauf aufzubauen.Jörg Wunder

Joe Cocker: O2 World, Do 25.4., 20 Uhr, 45-80 €; Meat Loaf: O2 World, So 28.4., 20 Uhr, 65-98 €

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