CLAUS PEYMANN INSZENIERTShakespeares „Richard III.“ : Das Gewissen kommt zu spät

Sandra Luzina

Er ist der Schauspielkönig: Im Januar wurde Ernst Stötzner mit dem renommierten Eysoldt-Ring ausgezeichnet für seine Rolle des Puck in Jürgen Goschs „Sommernachtstraum“-Ernüchterung am Deutschen Theater. Seit Peter Stein ihn 1979 an der Schaubühne engagierte, hat er mit vielen namhaften Regisseuren gearbeitet. Derzeit gehört Ernst Stötzner dem Ensemble des DT an. Eine intensive Arbeitsbeziehung verbindet ihn mit Gosch, in dessen Inszenierungen er seine Darstellungskünste oft hüllenlos unter Beweis stellen musste.

Nun geht der begehrte Mime fremd: Unter der Regie von Claus Peymann wird er am Berliner Ensemble Shakespeares Monsterkönig „Richard III.“ spielen – und zumindest in puncto Kleiderfrage wird die Aufführung wohl etwas konventioneller ausfallen. Peymann hat „Richard III.“ bereits 1987 mit Gert Voss in der Titelrolle inszeniert – und damit das Burgtheater erobert. Jetzt, 30 Jahre später, ist natürlich kein simples Remake geplant. Stötzner wird uns vielmehr seine Version des machtgeilen Ungeheuers nahebringen. Der von Geburt an missgestaltete Herzog Gloucester, der nach dem Tod des Königs als Vormund des kleinen Prinzen eingesetzt wird, greift selbst nach der Krone. Und er geht über Leichen, um an die Macht zu kommen. Als er den Thron erobert hat, ist er am Ziel und auch schon am Ende angelangt. Doch das blutige Morden geht weiter. Als der hochintelligente Richard am Ende von Gewissensbissen heimgesucht wird, ist es zu spät. Shakespeares beleuchtet in „Richard III.“ die unerbittlichen Mechanismen der Macht – insofern ist sein blutiges Drama nach wie vor hochaktuell. Sandra Luzina

Berliner Ensemble, Fr 8.2., 19.30 Uhr (Premiere), Fr 22.2., 19.30 Uhr, 10-30 € BG567

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben