Zeitung Heute : Clinton vorn – Obama auch

Nach Super Tuesday kein Sieger im Duell der US-Demokraten / McCain Favorit bei Republikanern

C. Marschall[Washington] I. Müller[Berlin]

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten steht nach dem Super Tuesday in den USA nicht fest, wer für die beiden großen Parteien bei der Präsidentenwahl im November antritt. Bei den Konservativen gibt es zwar einen klaren Sieger: John McCain, der 71-jährige Senator, gewann die meisten der 21 Staaten, in denen die Republikaner am Dienstag Vorwahlen abhielten. Er siegte in den bevölkerungsreichen Staaten mit vielen Delegierten für den Nominierungsparteitag wie Kalifornien, New York und New Jersey. Er führt nun mit großem Abstand, hat aber noch nicht die für die Nominierung nötige absolute Mehrheit der Delegierten.

Sein größter Konkurrent, der Mormone und Geschäftsmann Mitt Romney, gewann fünf Staaten. Ein kleines Comeback erlebte Mike Huckabee. Er siegte in den Südstaaten Alabama, Arkansas, Georgia, Tennessee und in West Virginia. Es nutzte dem moderaten McCain, dass sich die Stimmen der Rechtskonservativen und der religiösen Rechten auf Huckabee und Romney verteilten. Es zeigte sich aber, dass viele Republikaner Vorbehalte gegen ihn haben und seinen liberalen Ansichten misstrauen. Nur in drei von 21 Staaten errang er die absolute Mehrheit.

Bei den Demokraten gab es viele Überraschungen im Detail, aber keinen Durchbruch für Hillary Clinton oder Barack Obama. Clinton hatte in bevölkerungsreichen Staaten wie Kalifornien, New York und New Jersey die Nase vorn. Obama gewann jedoch mehr Staaten als sie, verteilt über die ganzen USA. Er siegte in Südstaaten mit hohem Schwarzenanteil (Alabama, Georgia), im Westen (Idaho, New Mexiko, Utah), im Mittleren Westen und Norden (Colorado, Illinois, Kansas, Minnesota, Missouri, North Dakota), einem Teil der Neuenglandstaaten (Connecticut, Delaware) und in Alaska. Die Auszählung, wie sich demnach die Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag verteilen, dauerte am Mittwoch an. Die werden proportional nach den Ergebnissen der Stimmbezirke verteilt, nicht nach dem Gesamtergebnis eines Staats. Es hieß, Clinton habe unter dem Strich mehr Delegierte als Obama, aber keinen signifikanten Vorsprung.

Experten erwarten, dass sich dieses Duell noch über Wochen oder gar Monate hinzieht, in denen 20 weitere Staaten abstimmen. Davon profitiere Obama, seine Wahlkampfkasse sei besser gefüllt, und er könne mehr Unentschlossene für sich begeistern. Clinton hatte ursprünglich darauf gesetzt, nach dem Super Tuesday einen uneinholbaren Vorsprung zu haben.

McCain sagte nach Informationen des Tagesspiegels inzwischen seine mit Spannung erwartete Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz ab. Dies bedauerte Konferenzleiter Horst Teltschik im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Die Primaries seien für McCain nicht ganz so gut ausgefallen. „Seine Mannschaft ist der Meinung, dass er lieber campaigning machen sollte“, sagte Teltschik. „Jedes Wort von ihm wäre von anderem Gewicht gewesen als bisher. Für jede Konferenz wäre er der Glanzpunkt gewesen, der eben jetzt nicht stattfinden kann.“ Ein wenig hofft Teltschik dennoch auf den Laridschani-Effekt. Der iranische Atom-Unterhändler hatte 2007 kurzfristig zugesagt, am Konferenzauftakt abgesagt und war dann doch aufgetaucht.

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