Zeitung Heute : "Club der Millionäre"

Kerstin Decker

Pro 7. Misanthropische Philosophen wie Gilles Deleuze argwöhnen längst, dass der eigentliche Adressat des Fernsehens gar nicht mehr der Zuschauer sein könnte, sondern - die Werbeindustrie? Nehmen wir mal den "Club der Millionäre". Er war gar nicht wirklich schlecht. Er war auch überhaupt nicht gut. Er war eigentlich - gar nichts. Ja genau, sein Wesen war das Nichts. (Regie: Thorsten Näter). Ein wunderbarer Werbepausenfilm. Die Übergänge fallen fast gar nicht mehr auf.

Vielleicht ist das Wesen eines Millionärs auch das Nichts? Der Chef des "Clubs der Millionäre" (wunderbar solvent: Peter Sattmann) glaubt das nicht. Es gibt Löwen und Schafe, weiß er. Die einen träumen ihr Leben (Schaf), die anderen leben ihren Traum (Löwe).

"Club der Millionäre" handelt von zwei Brüdern. Der eine ist Tischler (Schaf!), der andere will Millionär werden (Löwe?). Aber dann ist er plötzlich tot. Schaf sein ist da viel ungefährlicher. Am Ende ist der erschossene Beinahe-Millionär gar nicht tot und würde am liebsten Tischler werden wie sein Bruder. Weil es dafür nun aber zu spät ist, schenkt er seinem Tischler-Bruder (gar nicht schreinermäßig: Heio von Stetten) die fehlende Fastmillion zur Sanierung der Tischlerei. Vier Werbepausen für eine sanierte Tischlerei!

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