Zeitung Heute : Coaching: Ausweg aus dem Hasenfuß-Dilemma

Hartmut Volk

Die Hasenfuß-Ungleichung nennen Gabriele Stöger und Mona Vogl, Unternehmensberaterinnen aus Markt Schwaben nahe München, ein weit verbreitetes Dilemma: Jemand weiß, dass er in einer misslichen Situation steckt, aus der er sich tunlichst befreien sollte, aber nichts geschieht. Anstatt beherzt nach entlastenden Lösungsalternativen zu suchen, wurstelt er sich weiter durch. "Wir leiden lieber unter dem Bekannten, als vom Unbekannten zu profitieren. Wir ziehen den sicheren Schmerz der unsicheren Wohltat vor", beschreiben sie das eigentlich Unverständliche und sagen auch gleich, weshalb das so ist: Weil Veränderungen Angst machen.

Nicht wenige Betriebsinhaber und Führungskräfte schlagen sich tagtäglich mit dieser Hasenfuß-Ungleichung herum. Wie können sie sich aus diesem Dilemma befreien? Ein bewährter und inzwischen immer häufiger praktizierter Schritt heißt Coaching.

Coaching bietet die Möglichkeit, die erkannte, häufig aber auch nur gespürte Zwiespältigkeit der eigenen Situation und deren eigentliche Unhaltbarkeit im Vier-Augen-Gespräch mit einem versierten, zu absoluter Verschwiegenheit verpflichteten Gesprächspartner offen zu legen und mit seiner Unterstützung an ihrer Überwindung zu arbeiten.

Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen jeder vierte oder fünfte Betriebsinhaber oder Manager "seinen" Coach hat. Doch nur selten sprechen diejenigen, die diesen sinnvollen Schritt zur persönlichen Entlastung und Weiterentwicklung getan haben, darüber. "So normal und selbstverständlich es in der Wirtschaft ist, sich auf ganz bestimmten Gebieten Expertenrat (Unternehmens- / Steuer- / Rechtsberater) einzuholen, so bedeckt hält man sich, wenn es um den vertraulichen Gedankenaustausch, die diskrete Klärungshilfe oder Problembewältigungsassistenz - kurz, das ganz persönliche mentale Fitness-Training - geht". So beschreibt Frank Steffen, selbst erfahrener Manager und einschlägig versierter Personalberater aus Wuppertal, die Situation. Coaching, erläutert Steffen, ist professionelle Einzelberatung durch einen externen Berater auf einer partnerschaftlichen Basis der gegenseitigen Wertschätzung und Akzeptanz. Die gute alte Formel "Ich bin o. k. - Du bist o. k." greife auch hier.

Coach und Klient begegnen sich "auf Augenhöhe", also ohne Beziehungsgefälle in der einen oder anderen Richtung. Ihre Zusammenarbeit kombiniert individuelle Beratung, Kon-frontation und Einzeltraining.

Coaching unterstützt Unternehmer und Führungskräfte dabei

aufgetretene oder sich abzeichnende Probleme und deren Ursachen zu erkennen und zu verstehen

Wahlmöglichkeiten im Entscheiden und Handeln sowie Lösungen oder Lösungssalternativen aufzuspüren; sich ihrer Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster, Vorlieben, Stärken und Schwächen bewusst zu werden, deren Auswirkungen zu erfassen und neue Verhaltensweisen auszuprobieren.

Wissen gezielt zu erwerben.

Der Coach spricht mit seinem Klienten über dessen Erfahrungen im Verlauf des Bemühens, sich selbst und seine Umwelt besser zu verstehen, erkannte Fehlentwicklungen zu korrigieren, die eigenen Potenziale optimaler zu nutzen, und insgesamt konsequenter sach- und situationsgerechter zu denken, zu entscheiden und zu handeln.

Der Coach stützt und ermutigt ihn, wenn Ängste und innere Widerstände seinen Horizont und sein Verhalten einengen und seine Entwicklungsmöglichkeiten blockieren. Er gibt ihm Feedback und konfrontiert ihn mit seinen blinden Flecken. Er vereint in seiner Person Spiegel, Gesprächs- und Sparringspartner.

"Das gewohnte, das selbstverständliche, das unreflektierte Fühlen, Denken, Handeln und Reagieren soll bewusst gemacht, in Frage gestellt und durch bewusstes, überlegtes, kontrolliertes Fühlen, Denken, Handeln und Reagieren ersetzt werden," beschreibt Steffen eine wesentliche Aufgabe des Coaches. Dazu ist es nicht ungewöhnlich, wie der Experte aus Wuppertal betont, dass Unternehmer oder Führungskräfte ihren Coach bitten, sie ein paar Tage in ihrer unmittelbaren beruflichen Tätigkeit zu begleiten, um so direkte Eindrücke von ihrer Arbeitsumgebung zu bekommen.

Steffen beschreibt Coaching demzufolge auch gern als einen Prozess gemeinsamen Suchens und Findens. Coaching, sagt er, "ist kein Weg schneller oder einfacher Lösungen. Daher kommt es insbesondere in der Anfangsphase eines Coachingprozesses gelegentlich zu Konflikten zwischen Coach und Klienten. Menschen, die es im Unternehmensalltag gewohnt sind, schnell zu reagieren und zu entscheiden, reagieren gelegentlich unwillig, wenn - besonders zu Beginn - nur Fragen gestellt und Hypothesen angedeutet werden.

Und die Kosten? Die Spannweite reicht von 400 bis 800 Mark für die Doppelstunde bis zu Tagessätzen, die durchaus einen fünfstelligen Betrag erreichen können.

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