Zeitung Heute : Coaching: Reflexionen bei 35 Grad im Schatten - Der weltgrößte Trainerkongress in Dallas

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Dallas, Texas, 35 Grad im Schatten: Unter den Bäumen vor dem Convention Center liegen die Tagungsbesucher der weltgrößten Veranstaltung für Managementtraining auf dem grünen Rasen und lassen das Erlebte und Gehörte Revue passieren. "Die Stimmung auf diesem Kongress ist einzigartig", berichtet Peter Egger. Der Mitarbeiter der Volkswagen Coaching GmbH war einer von etwa 50 deutschen Teilnehmern am Jahreskongress der American Association for Training and Development (ASTD, 85 000 Mitglieder). "Die meist nicht mehr ganz jungen Besucher", schildert Egger seine Eindrücke in Dallas, "fühlen sich ein bisschen in ihre Studienzeit zurückversetzt: Den Nachbarn ansprechen, miteinander über Workshopthemen plaudern". Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein. "Es ist hier soooo leicht, ins Gespräch zu kommen", sagt auch Gail Heidenhain. Sie ist Trainerin und Coach in Atlanta, ihr Hauptfokus liegt im Bereich "learning design". Die Expertin für "Lernen in Organisationen" hat viele Jahre in Deutschland gearbeitet und kennt somit die Besonderheiten in beiden Ländern. Was auf dem ASTD-Kongress mit insgesamt 12 000 Teilnehmern ganz anders ist als bei - den sehr viel kleineren - Trainertreffen in Deutschland, beschreibt die Amerikanerin so: "Alles findet in einer Atmosphäre ohne Stress statt, ohne Zeitjagd des nächsten Termins und ohne jeden Gedanken daran, dass mein Gesprächspartner etwas von mir klauen könnte". Ihre weiteren Eindrücke: "Es war viel Zeit, in Ruhe den Verstand zu schärfen. Dabei entstehen Ideen, die schnell zu einem Produkt werden können".

Weitere Besonderheiten der amerikanischen Trainermesse: Es gibt einen "International Room", in dem die Teilnehmer aus aller Herren Länder sich begegnen. Peter Egger: "Eben noch mit einem niederländischen Kollegen geplaudert und schon saßen am Tisch ein Consultant aus Australien und eine Trainerin aus Johannisburg". Für den Trainer aus Wolfsburg ist das "der" Weg, "Ideen um die Welt zu schicken, ein Netzwerk entstehen zu lassen und den eigenen Standort neu zu bestimmen".

Dass die Kongressteilnehmer dabei ganz nebenbei die Chance nutzen, "in der englischen Sprache sicherer zu werden", hält Egger auch für erwähnenswert. Er begründet: "Viele der internationalen Gäste sind nicht perfekt in der englischen Sprache. Aber mit Händen und Füßen, Zeigen und Skizzieren verlieren sich die Anfangshemmungen oft in Lachen und Ermuntern". Für Egger lieferte die Konferenz einen Pool von Denkanstößen für seine Benchmarkingarbeit. Frische Eindrücke habe er sofort per E-mail über den Atlantik in die Heimat senden können. Dieser Service sei neu und von vielen Teilnehmern intensiv genutzt worden.

An der ASTD-Konferenz in Dallas nahmen rund 12 000 Experten aus 85 Ländern zu den Themen Aus- und Weiterbildung, Consulting und vor allem "Lernen in Netzen" teil. Rund 2500 Gäste kamen von außerhalb der USA. "Möglicherweise", vermutet Egger, "weil in diesem Jahr das Thema E-Learning besonders groß geschrieben wurde". Sowohl Workshops und Vorträgen als auch die begleitende Ausstellung fokussierten dieses Thema. Besonders spannend findet Egger deshalb die Frage: "Wie viele der klassischen Weiterbildungsthemen können online vermittelt werden und wo liegen die Grenzen dieses heftigen Trends?"

Das Fazit Gail Heidenhain, die Mitglied des ASTD-Konferenz-Ausschusses ist und damit für die Vorbereitung der Konferenz im kommenden Jahr in Orlando, Florida, mitverantwortlich ist: "Im nächsten Jahr wollen wir für die internationalen Gäste noch mehr bieten". Sie möchte den Austausch von Amerika mit den anderen Kontinenten mehr fördern. Die Welt werde "einfach kleiner auf so einer Konferenz". Wer sich nicht schon auf der grünen Wiese getroffen habe, tue es ganz gewiss auf der großen Abschlussparty. Die Deutschland-erfahrene Amerikanerin: "Da vermischen sich dann nicht nur die Gedanken, sondern auch die Tanzbeine miteinander".

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