Zeitung Heute : Codes brechen, Western verstehen

David Ensikat

Wie ein Ost-Berliner die Stadt erleben kann

Ulrike Sterblich. Ein schöner Name, stimmt auch ein bisschen nachdenklich, oder? Nachdenklich und schön ist aber weder hip noch in oder gar cool. Hip, in und cool zugleich ist: Supatopcheckerbunny. Deshalb nennt sich Ulrike Sterblich, wenn es drauf ankommt, Supatopcheckerbunny. Übersetzt heißt Supatopcheckerbunny etwa: erstaunlich gescheites Häslein bzw.: weibl. Sexobjekt, welches die modernen Codes ironisch zu brechen versteht, also gar kein Sexobjekt ist, sondern vielmehr erstaunlich gescheit.

Dennoch muss man sagen, dass Ulrike Sterblich sehr hübsch anzuschauen ist. Als Hinweis auf ihre Hipness bzw. Gescheitheit trägt sie ein weißes T-Shirt mit kleinem Playboy-Logo in Brusthöhe. Neulich hat sie das jedenfalls getragen, als sie wie in jedem Monat einmal eine sehr moderne Veranstaltung moderierte. Die Veranstaltungsreihe nennt sich Berlin Bunny Lectures, ihr liegt folgende Idee zugrunde: Eine junge hübsche Frau, welche die Codes unserer Zeit ironisch zu brechen versteht, lädt Menschen ein, die weder hip noch in, noch cool sein müssen, jedenfalls nicht so, dass man es sofort merkt. Sie sollten nur klug sein und etwas zu sagen haben zum jeweiligen Thema der Veranstaltung.

Neulich hieß das Thema: Konflikte und Auseinandersetzungen. Die klugen Gäste waren eine Taz-Journalistin und ein sehr intellektueller Publizist. Die Taz- Journalistin erzählte sehr schön über Beziehung und Konflikt mit einem dogmatischen Alt-68er. Der intellektuelle Publizist hielt einen Vortrag zum Thema Konfliktbewältigung im klassischen Westernfilm. Wir lernten, dass Western im Detail zwar lächerlich sein mögen, dass ihnen aber sehr verzwickte Konfliktkonstellationen zugrunde liegen können. Interessant.

Dem Supatopcheckerbunny fielen keine erstaunlich gescheiten Fragen ein, es verlieh dem ganzen aber die Aura des sehr modernen, gebrochenen. Und da die Sache in einer engen Kneipe mit muffigen 70er-Jahre-Möbeln stattfand, stellte sich bei mir ganz schnell das behagliche Gefühl der Dazugehörigkeit zu irgend einer Szene ein. Nächstes Mal versuche ich herauszufinden, zu welcher.

Berlin Bunny Lectures, jeden letzten Mittwoch im Monat im nbi, Schönhauser Allee 157. www.supatopcheckerbunny.de

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