COMEBACKPalais Schaumburg : Das Glück der späten Jahre

Ach, die frühen Achtziger. Nicht nur rückblickend eine aufregende Zeit. Wie viele tolle Platten damals in der alten Bundesrepublik entstanden! Wachgeküsst vom Punk, von New Wave, Kraftwerk und Disco, hauten Bands wie Fehlfarben, Die Krupps, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Der Plan, Ideal, Foyer Des Arts, S.Y.P.H., Der Moderne Man, Trio oder Einstürzende Neubauten ein kleines Meisterwerk nach dem anderen raus. Manche der schrillen Newcomer schafften es gar bis in Dieter Thomas Hecks gefürchtete Schlager-„Hitparade“. Die meisten blieben allerdings unterhalb des Radars der öffentlichen Wahrnehmung.

So auch Palais Schaumburg, 1980 in Hamburg von Holger Hiller, Thomas Fehlmann und F. M. Einheit gegründet, wobei Letzterer schon 1981 zu den Neubauten wechselte und am Schlagzeug von Ralf Hertwig ersetzt wurde. Auch Hiller stieg bald wieder aus, um unter eigenem Namen seltsame Platten wie „Ein Bündel Fäulnis in der Grube“ aufzunehmen. So gelangen Palais Schaumburg in drei verschiedenen Besetzungen drei exzellente Alben: das scharfkantige Postpunkdebüt, den discofizierten Nachfolger „Lupa“ und schließlich den ambitionierten, von Depeche-Mode-Tonmeister Gareth Jones produzierten Synthiepopversuch „Parlez-Vous Schaumburg“, der 1984 zum Schwanengesang wurde. Der Ruf der Band aber überdauerte die Jahrzehnte, nicht zuletzt, weil die einzelnen Schaumburger als wichtige Figuren der deutschen Musikszene präsent blieben. Das Reunionkonzert in der Besetzung Hertwig, Hiller, Timo Blunck und Fehlmann (von links nach rechts) bietet die Gelegenheit, einen Mythos der BRD-Subkultur auf seine Substanz zu überprüfen.Jörg Wunder

HAU 2, Fr 30.12., 20 Uhr, 22 €

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